Alexander Boicev, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie, kann Tumorerkrankungen nun mit einem neuen Linearbeschleuniger behandeln.
Foto: Marcus Richter
Ärzte bekämpfen Krebs mit einer neuen Waffe
Zwickauer Heinrich-Braun-Klinikum nimmt modernen Linearbeschleuniger in Betrieb - Behandlung künftig zielgerichteter und schonender
Zwickau. Zwickau. Den ersten von zwei neuen Linearbeschleunigern, mit denen Krebserkrankungen künftig zielgerichteter und schonender behandelt werden können, hat das Zwickauer Heinrich-Braun-Klinikum jetzt in Betrieb genommen. Laut Alexander Boicev, Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie, handelt es sich bei dem Gerät um das modernste in ganz Sachsen. Ein zweiter, technisch baugleicher Linearbeschleuniger kommt laut Klinikgeschäftsführer Rüdiger Glaß im Frühjahr 2011 hinzu. Die beiden bisherigen Bestrahlungsgeräte nimmt das Krankenhaus stattdessen schrittweise außer Betrieb.
Das Klinikum lässt sich die neue Technologie einiges kosten. 6,8 Millionen Euro werde die Einrichtung am Ende investiert haben, sagt Rüdiger Glaß. Darin enthalten ist auch der neue Flachbau, in dem das erste der beiden Strahlengeräte steht. Dabei handelt es sich um eine Art Bunker: Die Außenwände sind zweieinhalb Meter dick. "Außen Stein und innen ein spezielles Füllmaterial, sodass keine Strahlung durchgeht", sagt Glaß. Das zweite Gerät werde in eines der beiden alten Behandlungsgebäude eingebaut, in denen zurzeit noch die bisherigen Geräte von Mitte der 90er-Jahre stehen.
Pro Jahr kommen 1000 Patienten
Welchen Stellenwert die Behandlung von Tumorerkrankungen im Heinrich-Braun-Klinikum genießt, zeigt die Statistik des Hauses. "Zu uns kommen pro Jahr etwa 1000 Patienten", sagt Alexander Boicev. Je nach Krankheit dauert die Behandlung mal eine Woche, mal knapp zwei Monate. Rund 100 Bestrahlungen waren bislang täglich mit den beiden vorhandenen Geräten möglich. "Mit der neuen Technik können wir die Abläufe sicher optimieren, sodass wir noch mehr Patienten behandeln können", glaubt Alexander Boicev. Schon jetzt sind die Geräte von 7 bis 21 Uhr in Betrieb.
Die Patienten merken, während sie auf der Behandlungsbank liegen, nichts von den Strahlen - "es tut nicht weh", sagt der Chefarzt. Dabei ist das, was in den wenigen Behandlungsminuten passiert, komplex: Hochdosierte Röntgen- und Elektronenstrahlen treffen auf die Tumorzellen und schädigen diese. Da sie - anders als gesunde Körperzellen - nicht in der Lage sind, Schäden zu reparieren, sterben sie ab.
Strahl arbeitet millimetergenau
Das Problem bei der Bestrahlung ist, dass auch gesunde Körperzellen getroffen werden, die ebenfalls - zumindest kurzfristig - Schaden nehmen. Die Medizin ist deshalb interessiert, möglichst punktgenau nur die Krebszellen zu bestrahlen. Der neue Linearbeschleuniger arbeite dabei weitaus fortschrittlicher als seine beiden Vorgänger, sagt Alexander Boicev. Zum einen berechne das Gerät vor jeder Behandlung millimetergenau die Position des Patienten, indem es ein Röntgenbild anfertigt und dieses mit einem älteren, zuvor bereits abgespeicherten des Patienten abgleicht. Dadurch treffe die Strahlung exakt jene Körperregionen, die behandelt werden sollen. Zum anderen lasse sich mit dem neuen Gerät die Strahlendosis besser regulieren, darüber hinaus seien höhere Intensitäten als bisher möglich. "Wenn wir eine höhere Strahlendosis an den Tumor bringen, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass er abgetötet wird", sagt Boicev.
Ein Team von mehr als 20 Mitarbeitern kümmert sich um die Strahlenbehandlung. Darunter befinden sich nicht nur Ärzte, sondern auch Physiker. "In der Strahlentherapie teilen wir uns die Verantwortung", sagt Boicev. Die Physiker müssten jeden Morgen die Anlage prüfen, ob sie einwandfrei funktioniert.


