Produktionsmechaniker Sebastian Uhlig sowie Maschinen- und Anlagenfahrerin Jean Müller sind nach der Lehre in der Kammgarnspinnerei als Facharbeiter übernommen worden.
Foto: Marcus Richter
Alte Firma setzt auf junge Leute
Zwickauer Kammgarn übernimmt Lehrlinge und sucht neue Auszubildende - Am Freitag feiert Belegschaft Jubiläum
Silberstraße. Silberstraße. Fast wäre der Einstieg in das Berufsleben für Sebastian Uhlig aus Marienau schief gegangen. Er hatte vor drei Jahren eine Lehre zum Produktionsmechaniker in der Palla Creativ in St. Egidien begonnen. Doch dann ging die Firma den Bach runter, viele wurden arbeitslos. "Ich hatte das Glück, dass ich in der Zwickauer Kammgarn in Silberstraße meine Lehre fortsetzen konnte. Und jetzt bin ich sogar übernommen worden. Darüber bin ich richtig froh", sagt der 19-Jährige.
Auch Jean Müller aus Marienthal verstärkt jetzt das Facharbeiterteam im Unternehmen. Sie hatte bei einem Praktikum ihr Interesse am Beruf des Maschinen- und Anlagenfahrers entdeckt und wurde anschließend in der Firma ausgebildet.
Der Textilbetrieb setzt auf eine große Stammbelegschaft. "Da viele unserer Mitarbeiter über 50 Jahre alt sind, legen wir großen Wert auf eine gute Ausbildung", sagte Prokuristin Sylke Schuster-Häckel. "Zurzeit bilden wir je zwei Textillaboranten, Produktionsmechaniker und Industriekaufleute aus. Eine junge Frau wurde zum Studium an die Glauchauer Berufsakademie delegiert." Sylke Schuster-Häckel berichtet, dass der Betrieb für das gerade begonnene Lehrjahr noch zwei Jugendliche sucht, die eine Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenfahrer absolvieren wollen.
Die Kammgarnspinnerei ist vor 175 Jahren in Zwickau gegründet worden. Mit einer festlichen Veranstaltung mit der gesamten Belegschaft wird am Freitag das Jubiläum begangen. "Es gibt nur wenige Textilfirmen, die schon so lange bestehen. Und wir können optimistisch in die Zukunft blicken", sagt Geschäftsführer Siegfried von Roth. "Arbeit haben wir zurzeit genug."
Er berichtet über eine gute Auftragslage. "Zu unseren 140 Beschäftigten werden wir bis Jahresende noch einige zusätzlich einstellen", stellt von Roth in Aussicht. Der Markt für Funktionsgewebe wachse stark. Davon profitiert die Firma. So werden in Silberstraße Garne für Schutzbekleidung hergestellt. Gemeinsam mit Partnern habe man jetzt ein Garn für Anzüge zur Marktreife gebracht, dass selbst vor Starkstrom schützt. Die ersten drei Tonnen davon seien bereits produziert worden. "Die Sicherheitsanforderungen steigen weltweit. Deshalb ist solche Bekleidung ein lukrativer Markt", so der Geschäftsführer.
Außerdem gebe es erste Aufträge aus Russland. "Für die russische Eisenbahn, die weit über eine Million Beschäftigte hat, werden wir Garne für Uniformen herstellen. Mit Gazprom gibt es Gespräche zur Lieferung von Schutzbekleidung", freut sich von Roth.


