Kind Die Scheringerstraße ist die am schönsten geschmückte Straße zum Stadtjubiläum "800 Jahre Kirchberg". Hier ist auch Marlen Kluge zuhause, die sich zu dem stummen Trio an die Kaffeetafel gesetzt hat.

Foto: Hans-Peter Kuppe

Bergauf ging's direkt zum Galgen

Kirchberg hat derzeit 1000 Bewohner mehr - 15 dieser Pappkameraden sitzen in der Scheringerstraße

Kirchberg. Herr Scheringer würde sich im Grab umdrehen, wenn er wüsste, dass in Kirchberg seine Straße für ein paar Tage in "Galgenleithe" umbenannt wurde. Diesen Spaß haben sich die Anwohner für die Festwoche zum Stadtjubiläum ausgedacht. Denn einst führte hier der Weg von der Altstadt direkt nach oben zum Galgenberg, dem heutigen Schießhausberg. Die Straße ist so steil, dass einst Übeltäter schon vom Fußmarsch fast tot gewesen sein müssen, ehe sie dem Henker Auge in Auge gegenüberstanden.

Nachbarn gründen Bastelclub

Dass der Festumzug keinesfalls über den steilen Berg zuckeln würde, wussten die Scheringersträßler natürlich. "Da wollten wir wenigstens die am schönsten geschmückte Straße sein", sagt Christin Kluge. Gemeinsam mit ihrem Mann Heiko konnte sie sämtliche Nachbarn der 15 Häuser dafür begeistern. "Wir verstehen uns alle prima, bei Bier und Roster sprudelten die Ideen nur so heraus", sagt Heiko Kluge. Vor 14 Tagen begann dann der Deko-Trip. Fast täglich kam wieder etwas hinzu. Auf der 165 Meter langen Straße hängen jetzt 450 Meter Wimpelkette, auch bunte Lichterketten. 15 lebensgroße Puppen bevölkern das Terrain entlang der geschmückten Häuserzeile, unter anderem das Musiker-Duo Harmonie, das es tatsächlich einmal gab. Seit Tagen ist die Scheringerstraße alias Galgenleithe ein regelrechter Wallfahrtsort. "Plötzlich treibt die Neugier alteingesessene Kirchberger hierher, die wir seit Jahren nicht mehr gesehen haben. Es hat sich herumgesprochen", sagt Heiko Kluge, dessen Kinder Marlen (5) und Marlon (7) Spaß am Basteln hatten.

Galgenberg Der Weg zum Galgenberg ist nicht zu verfehlen, er ist gut ausgeschildert.

Foto: Hans-Peter Kuppe

Der Galgen fährt im Umzug mit

All das genügte den Bewohnern der Scheringerstraße aber nicht. Also legten sie fest: Wenn der Festumzug nicht in die Scheringerstraße kommt, dann kommen die Bewohner dieser Straße eben mit einem eigenen Wagen zum Festumzug. Auf dem wird der Galgen transportiert, nicht das Original, das noch im 18. Jahrhundert auf Kirchbergs höchstem Gipfel gethront haben soll, sondern ein Nachbau. Auf dem Wagen fährt auch der Henker mit, ebenso der Delinquent und ein Diener des Herrn, der dem armen Teufel vor der Hinrichtung Trost spenden und die Gelegenheit geben soll, seine Sünden zu bereuen. Hinter dem Wagen trabt das schaulustige Gesindel von der Galgenleithe her. "Ich glaube, inzwischen sind wir 21 Leute, die mitlaufen. Das wir garantiert ein Mordsspaß", sagt Heiko Kluge.

Lebensgroße Puppen bevölkern derzeit die gesamte Stadt. Da zeigen viele Kirchberger Kreativität.

 
erschienen am 06.06.2012 ( Von Hans-Peter Kuppe )
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