Ministerpräsident Stanislaw Tillich (links) im Gespräch mit Oberbürgermeisterin Pia Findeiß und Streetworker Elfried Börner.
Foto: Ralph Köhler
Das Gespräch beginnt nach den Reden
Im Alten Gasometer fand der erste Demokratiedialog statt - Beteiligte waren mit dem Forum überwiegend zufrieden
Zwickau. Miteinander reden - nicht übereinander: Diese goldene Regel der Kommunikation haben am Montagabend auch Pia Findeiß und Stanislaw Tillich befolgt. Der sächsische Ministerpräsident war der Einladung des Bündnisses für Demokratie und Toleranz und mithin auch der Zwickauer Oberbürgermeisterin gefolgt und besuchte den ersten Demokratiedialog im Alten Gasometer. Dabei blieb der Christdemokrat nicht nur für eine Rede, sondern auch zu den anschließenden Gesprächen mit einigen der 250 Gäste.
Lange hatte sich die sozialdemokratische Stadtchefin beklagt, dass sie sich von Dresden alleingelassen fühle. Nun schrieb ihr der Landesherr ins Stammbuch, man werde den Kampf aufnehmen. Den Kampf gegen Rechts. Und er versicherte dem Bündnis, das seit Anfang des Jahres ohne Förderung aus Landesmitteln dasteht, dass Dresden alles tun werde, damit die Arbeit in Zwickau weitergehen kann. "Die Anträge sind, was die Genehmigung betrifft, auf der Zielgeraden", sagte er.
Im Geheimen hatte Martin Böttger vom Bündnis für Demokratie und Toleranz gehofft, Tillich bringe den Förderbescheid gleich mit. Immerhin werden von dem Geld zwei Angestellte bezahlt, die seit Anfang des Jahres quasi in der Luft hängen. Auch die Rede des Ministerpräsidenten hätte sich der Stadtrat (Grüne) kantiger gewünscht. Da war er an diesem Abend nicht der Einzige. Dennoch honorierten es die Gäste, dass Tillich nicht nach dem offiziellen Teil verschwand, sondern tatsächlich mit den Zwickauern ins Gespräch kam.
Auch mit der Oberbürgermeisterin, die mit dem Abend zufrieden war. Als sie sagte: "Ich fühle mit mitgenommen", meinte sie das durchaus positiv. "Der Ministerpräsident hat gesagt, Zwickau wird verstärkt mit berücksichtigt. Nicht in erster Linie finanziell. Aber in der Außendarstellung - etwa wenn sich der Freistaat auf Messen präsentiert. Das hilft uns sehr", sagte Pia Findeiß.
Für Alexander Beuschel wären finanzielle Zusicherungen wichtiger gewesen. "Es klang ja nicht so, als ob wir mehr bekommen", sagte der Streetworker. Und erinnerte daran, dass Sachsen vor nicht allzu langer Zeit die Zuschüsse für die Jugendarbeit um ein Drittel gekürzt hatte - am Montag nun wurde erneut darüber gesprochen, wie wichtig die vorbeugende Arbeit mit den jungen Leuten ist. Aus diesem Grund hat Beuschels Kollege Elfried Börner auch noch einmal das persönliche Gespräch mit dem Ministerpräsidenten gesucht. "Ich wollte ihm mitgeben, wie man mit Jugendlichen arbeiten muss." Sein Fazit: "Ich fühlte mich angehört und verstanden."


