Mit diesem Plakat hat der Club Plaza für seine Party geworben. Die Stadt wollte die Fete verbieten.
Foto: Andreas Wohland
Die Weisheit geht zwischen Wahrheit und Werbung verloren
Auch das noch: Ordnungsamt will Party verbieten lassen - Clubchef sieht sich und seine Plakate völlig missverstanden
Zwickau. Zwickau. Nothing ist Englisch und heißt: nichts. Also bedeutet "Tequila for nothing" schlicht Gratis-Tequila. Dachte sich zumindest Zwickaus Ordnungsamtsleiter Rainer Kallweit, als er die Werbung für die Atzenparty im Club Plaza las, die am Freitagabend stattfinden sollte. Schnaps ohne Bezahlung und Disko ohne Eintritt: Für den Ordnungshüter klang das verdächtig nach Flatrate-Party - unbegrenztes Saufen zum Festpreis. Das gehört laut Gesetz verboten. Und genau das kündigte er Plaza-Chef Heinz Fischer an.
Daraufhin entspann sich zwischen beiden Männern eine per elektronischer Post geführte Diskussion über Werbung, Wahrheit und Weisheit, die die Hösel und Fischer GbR unkommentiert weiterleitete. Denn Heinz Fischer kennt die Gesetze, aus denen er gegenüber Kallweit auch zitiert: "Es ist untersagt, Getränke zu einem nicht Kosten deckenden Preis als Werbemaßnahme auszuschenken." Aber, argumentierte er: "Das ist zu unserer Veranstaltung nicht gegeben." Auch die Sache mit dem Festpreis für unbegrenzten Alkoholkonsum treffe nicht auf die Atzenparty zu. Immerhin sollte die Sause gar keinen Eintritt kosten, es wurde lediglich ein Mindestverzehr von 10 Euro festgelegt - und das sei ja wohl etwas ganz anderes. Noch ein Argument hatte Fischer am Donnerstag: "Auch vorsorglich teile ich Ihnen mit: Wenn die Veranstaltung morgen ausfallen wird, wird kein Überleben des Plaza mehr möglich sein, da wir wirtschaftlich auf den Umsatz mehr als nur angewiesen sind!"
Der wackere Ordnungshüter ließ sich jedoch vom Gebrüll des Löwen nicht entmutigen und beharrte auf seiner Meinung, die Party mache das Plaza zu einer Abfüllanlage. Ließ sich aber dennoch erweichen. Statt eines Verbots kündigte er nun Kontrollen des Stadtordnungsdienstes an, damit der Gratistequila nicht in zu junge Kehlen fließt.
Doch Danke sagen wollte Fischer dafür nicht. Denn Kallweit habe sozusagen "nothing" verstanden. Denn es sei "seit Jahren der Trend, die Werbung so zu formulieren, dass sie nicht die ,Wahrheit' widerspiegelt, sondern eine Illusion", ließ er den Beamten wissen. Man müsse das Plakat nur richtig lesen. Denn die Ansage "Bier 1 Euro" heiße in der "plakativen Werbesprache 1 Bier" und nicht etwa unbegrenzt viele Biere. Auch beim Tequila handele es sich lediglich um eine Verkostung. Dass das in der Jugendsprache "for nothing" heißt, sei allgemein bekannt. Insofern konnte Fischer Kallweit nur noch bescheiden, dass er auf die Werbung reingefallen sei.


