Westsächsische Wutbürger: Sie sind gegen ein neues Industriegebiet, aber für Motorradrennen, Fußball- und Kulturtradition. 
Westsächsische Wutbürger: Sie sind gegen ein neues Industriegebiet, aber für Motorradrennen, Fußball- und Kulturtradition.

Foto: Montage: Ulrich Klatt

Die Wut ergreift Westsachsen

Pro Sachsenring, Westsachsenstadion und Freilichtbühne, kontra Industriegebiet und Mini-Rennstrecke: In der Region haben sich selten zuvor so viele Menschen zum Protest zusammengefunden

Zwickau. Stuttgart ist weit weg. Etwas mehr als 400 Kilometer von Zwickau aus. Von Wüstenbrand sind es fast 450. Die Wut der Schwaben über einen neuen Bahnhof: In Westsachsen ist sie nicht mehr als eine Zeitungsnotiz, es gibt andere Probleme. Eine neue Ortsumgehung zum Beispiel, die nichts nützt, weil die großen Laster trotzdem weiter durch Waldenburg fahren müssen. Eine Freilichtbühne, die eine Weile nicht bespielt werden darf, weil ein Anwohner den Lärm nicht erträgt. Ein Industriegebiet, das neben eine Wohnsiedlung gebaut werden soll. Eine Mauer, die Wilkau-Haßlau vor einer anschwellenden Mulde schützen soll, von der einige Anlieger jedoch befürchten, dass sie ihre Keller erst recht volllaufen lässt.

Die geografische Distanz, eine gefühlte Nähe: Ein bisschen Stuttgart lässt sich seit den vergangenen Monaten an vielen Orten Deutschlands finden, der Geist dessen, was sich Stuttgart 21 nennt und was ein Aufbegehren des Bürgertums gegen die Staatsmacht beschreibt, hat sich in den Köpfen vieler verankert. Menschen demonstrieren, weil sie den Bau von Windrädern oder den Ausbau des Schönefelder Flughafens verhindern wollen. Zur gleichen Zeit finden sich auf dem Sachsenring Tausende zusammen, um gegen das Aus der Motorrad-WM auf der Traditionsstrecke zu protestieren, und laufen 150 Fußball-Fans durch Zwickau, weil ihre "Halde" nicht mehr als Stadion taugen soll.

 
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erschienen am 22.01.2012 ( Von Dennis Kittler )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
1
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  • 22.01.2012
    16:21 Uhr

    Valentin: Ich kann dem Autor nur zustimmen. Die gewählten "Volksvertreter" empfinden den Bürger, der in der Demokratie mitreden möchte, als Belästigung und unwerwünschten Kontrolleur des Tuns der Verwaltung.
    Bürgerbegehren sollen im Erzgebirgskreis von der Verwaltung verhindert werden, ich spreche da aus eigener Erfahrung.

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