Das Gebiet südlich der Sternenstraße in Eckersbach aus der Vogelperspektive: 1998 ist die Bebauung noch komplett, 2007 sind bereits Lücken zu erkennen und seit 2008 überwiegt das Grün (von oben nach unten).
Eckersbach verändert sein Gesicht
Warum die Geschäftsführer der Zwickauer Energieversorgung Recht behielten
Zwickau. Der zuletzt gebaute Teil von Eckersbach 5: Heute ist er eine grüne Wiese. Vor zehn Jahren sah das noch anders aus. Da schmiegten sich an das Rund der Sternenstraße mehrere tausend Wohnungen, 13.000 Menschen lebten dort.
Damals gab es ein Stadtentwicklungs-Konzept, das vorsah, den Stadtteil E 5 2-3 aufzulockern, indem einige Blocks aus der Mitte entfernt werden. "Ausgerechnet dort, wo unsere Trassen liegen", sagt ZEV-Geschäftsführer Volker Schneider. Deswegen ist Günter Spielvogel, ebenfalls Geschäftsführer der Zwickauer Energieversorgung, damals durch das Gebiet gefahren und hat Gardinen gezählt. Ergebnis: "Der Leerstand war so hoch, dass das Konzept nicht aufgegangen wäre." Das sagten die beiden im März 2002 auch einem Journalisten, der sie nach der Zukunft von Eckersbach fragte. Anstatt Lücken zu reißen, forderten sie den Komplettabriss des Areals südlich der Sternenstraße.
Die Reaktionen waren heftig, erinnern sich Schneider und Spielvogel, die ihre Posten behalten haben. "Die Großvermieter haben sich gemeldet, wir mussten in jeder Ratsfraktion antreten. "Offiziell waren alle gegen das, was wir gesagt haben." Doch die Sache hatte ihr Gutes: "Durch die Diskussion hat sich der Abriss auf ein Wohngebiet konzentriert", sagt Spielvogel. "Darum beneiden uns heute andere Städte." 3336 Wohnungen hat die städtische Gebäude- und Grundstücksgesellschaft (GGZ) von 1996 an bis 2010 in Eckersbach abgerissen, 1709 Wohnungen die Zwickauer Wohnungsbaugenossenschaft (ZWG), die erst 2002 mit dem Abriss begann.
Wäre das Gebiet wie zunächst geplant nur ausgedünnt worden, wären Strom-, Gas- und Wasserleitungen unverändert liegen geblieben. "Der Rückbau in ganz Eckersbach hat uns 6,4 Millionen Euro gekostet. Davon waren 2,4 Millionen Euro Fördermittel", sagt Spielvogel. Im Teil E 5 entfielen auf 3,1 Million Euro Kosten 1,4 Millionen Euro Fördermittel. Im Rückblick sagt Schneider: "Wir würden das wieder tun."
Seitdem Gras über die Sache gewachsen ist, gehen auch die Kritiker von einst anders mit der Geschichte um. Pfarrer Friedrich Lach etwa hat sich damals Sorgen darüber gemacht, dass die Eckersbacher, vor allem die älteren, den Wandel verkraften. "Es gab sehr viele Spannungen, die die Leute aushalten mussten", erinnert er sich und schätzt, dass der Prozess mit Aktivitäten wie Straßenfesten und Fotowettbewerben erträglich wurde. GGZ-Geschäftsführerin Jutta Giebner (60) sieht sich sogar bestätigt, weil E 5 eben nicht komplett abgerissen wurde - zumal das Unternehmen in dem Gebiet nur einen Leerstand von knapp 29 Prozent hatte. Gezielter Abriss sei die beste Überlebensstrategie gewesen. "Die öffentliche Forderung war damals nicht der beste Weg, das richtige Ziel zu erreichen", sagt Joachim Pflug (62), bis 2007 Vorstand der ZWG und damals entschiedener Komplettabriss-Gegner. "Sehr viele Menschen, die dort gewohnt haben, wurden verunsichert." Nun sei es höchste Zeit, dass der "tolle Wohnstandort" wieder bebaut wird - zum Beispiel mit Einfamilienhäusern.

