Eine Generation feiert lieber mit Ihresgleichen
Ü-30-Party bewährt sich im großen Rahmen nur in der "Neuen Welt" - Diskothekenbetreiber können begehrte Zielgruppe kaum locken
Zwickau. Zwickau. Ü-30-Party: Das hört sich nicht besonders romantisch an. Dessen ist sich auch René Bauer bewusst. "Aber es ist das, was es ist", sagt er fast schon entschuldigend. Eben: eine Party für Leute über 30, auf der die jungen Hüpfer nichts zu suchen haben.
Freitagabend soll es in der "Neuen Welt" wieder eine dieser Feten geben, bei der der Name noch das nüchternste ist. Dennoch: Alkoholleichen erwarten die Veranstalter von Kultour Z und ATM Events auch nicht. Das ist einer der Vorteile, die die Zielgruppe der über 30-Jährigen so mit sich bringt. "Es gibt keine Schlägereien und keinen Vandalismus", fasst Bauer zusammen, warum sich Veranstalter nach dieser Generation die Finger lecken. Außerdem haben sie meistens ihren Platz im Leben gefunden und stehen finanziell auf sicheren Füßen. Entsprechend liest sich auch etwa die Getränkekarte, die sich deutlich von der einer herkömmlichen Disko unterscheidet.
Die Partys in der "Neuen Welt" mit dem unromantischen Namen sind nach Auskunft von Kultour-Z-Mitarbeiterin Anja Heintschel seit 2007 regelmäßig ausgebucht. 1500 bis 1800 Gäste besuchen das Haus rund sechsmal im Jahr. Damit haben die Veranstalter eine Nische besetzt, in die vor einiger Zeit auch Diskos drängten. Doch die haben inzwischen aufgegeben. So wie Heinz Fischer vom "Club Plaza". "Wir haben es wirklich probiert. Aber es kam immer nur eine Handvoll Gäste." Leute in dem Alter hätten nicht mehr so viel Zeit zum Weggehen, vermutet Fischer. Eine ähnliche Erfahrung hat man im "Nachtwerk" gemacht. "Wir hatten eine Zeit lang eine 80er-Jahre-Party, um es nicht Ü 30 zu nennen - das ist irgendwie diskriminierend", so Mike Parche. Aus Gründen, die er nicht so genau benennen kann, hat das Konzept aber nicht funktioniert. "Dabei ist die Gruppe durchaus interessant", findet er. "Sie kommt auch zu uns. Aber sie macht nicht den Großteil unserer Gäste aus."
So bleiben die Veranstaltungen in der "Neuen Welt" ein Phänomen. "Als wir damals angefangen haben, waren wir die Vorreiter in der Region", erinnert sich Bauer. Ein Teil des Erfolgsgeheimnisses ist wohl, dass die U-30-Generation draußen bleibt. "Wir schicken wirklich jedes Mal Leute nach Hause." Denn der Altersdurchschnitt liegt bei 40 bis 45 Jahren. "Und da könnten die 20-Jährigen die Kinder unserer Gäste sein", rechnet René Bauer vor. Angesichts des eigenen Nachwuchses feiert es sich aber nicht so lässig. Die etwas reifere Generation möchte eben auch mal unter sich sein.


