Jacqueline Nährer hat im Hochschularchiv erste Spuren ihres Vaters gefunden.Foto: Torsten Kohlschein
Eine Tochter sucht nach ihrem Vater
Jacqueline Nährer, einst Zwickauerin, heute Österreicherin, forscht an Westsächsischer Hochschule nach ihren Wurzeln
Zwickau.
Zwickau. Wer Jacqueline Nährer sieht und wer sie hört, der ahnt gleich, dass sie eine durchaus nicht alltägliche Biografie hat. Und er liegt damit richtig. Eben diese Biografie hat die zierliche Frau mit dem milchkaffeebraunen Teint und den schwarzen Haaren Anfang der Woche ins Archiv der Westsächsischen Hochschule geführt:
Jacqueline Nährer sucht ihren leiblichen Vater. Von dem wusste sie außer dem Namen, Augustine Idowu, und der Herkunft, Nigeria, bis vor kurzem nur, dass er Ende der 60er-Jahre bis 1972 die damalige Ingenieurhochschule für Maschinenbau und Elektrotechnik in Zwickau besucht und während seines Studienaufenthaltes Jacqueline Nährers Mutter, Karin Hammer, kennen gelernt hat.
Nur wenige Jahre, nachdem Augustine Idowu, Jahrgang 1944, nach Beendigung seines Studiums, die DDR wieder verlassen musste, erwies sich ihre Mutter als nicht mehr in der Lage, sich um ihre Tochter zu kümmern und verschwand. Wohin, darauf hat die am 8. November 1969 geborene Jacqueline Nährer keine Antwort, so eigenartig das auch ist. So leicht war es schließlich in der DDR nicht, spurlos zu verschwinden. Ihre Zwickauer Großeltern adoptierten sie.
"Ich bin in Marienthal aufgewachsen und habe dort die Richard-Braune-Schule besucht", erzählt die 40-Jährige in einem Singsang, der auf aparte Weise das Sächsische mit dem Österreichischen vermischt und der von ihren Lebensstationen herrührt: Nach Abschluss der Schule lernte Jacqueline, damals mit Nachnamen Hammer, zunächst in Werdau den Beruf der Näherin, was sich für sie aber bald als falsche Wahl herausstellte. In Zwickau fand sie dann Arbeit als Altenpflegerin, übte nach der Wende diese Tätigkeit in Hof und später in Münchberg aus. 1994 folgte sie ihrem jetzigen Ehemann ins österreichische Eisenstadt. In der Hauptstadt des Burgenlandes arbeitet sie heute als Verkäuferin in einem Bäckereicafé.
Was hat der Besuch in Zwickau, bei dem sie zugleich die Gelegenheit nutzte, Mann und Kindern ihre alte Heimat zu zeigen, nun gebracht? "Ich habe ein Bild von meinem Vater gesehen und einige Unterlagen, die mir vielleicht weiterhelfen. Er ist sicher zurück nach Nigeria gegangen. Dort will ich ihn finden, will ihn aber nur sehen, wenn er es auch will", sagt Jacqueline Nährer. Dabei hofft sie freilich nicht allein darauf, ihren Vater wiederzusehen: "Vielleicht habe ich ja auch Geschwister, von denen ich nichts weiß", vermutet die Frau.
Service
Wer Jacqueline Nährers Vater oder Landsleute von ihm aus der Zeit zwischen 1969 bis 1972 gekannt oder anderweitige Informationen hat, die ihr beim Finden ihres Vaters helfen könnten, kann sich an die Zwickauer Lokalredaktion der "Freien Presse", Telefon: 0375/54916146, wenden. torsten.kohlschein@freiepresse.de


