Der FSV Zwickau hat nun doch die Identität jenes Fußballspielers preisgegeben, der am vergangenen Freitag in der Kabine des Klubs an "Sieg, Sieg"-Rufe ein "Heil" angefügt haben soll.Foto: Propicture
FSV Zwickau nennt Namen von "Heil"-Gröler
Vereinsspitze hat den Staatsschutz informiert
Zwickau. Der FSV Zwickau hat nun doch die Identität jenes Fußballspielers preisgegeben, der am vergangenen Freitag in der Kabine des Klubs an "Sieg, Sieg"-Rufe ein "Heil" angefügt haben soll. Die Vereinsspitze habe am Freitag den Namen des Mannes dem Staatsschutz genannt, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. Der Spieler, gegen den wegen des Verwendens verfassungswidriger Kennzeichen ermittelt wird, soll nun vernommen werden.
Damit nimmt die Aufklärung um die rechtsradikalen Vorfälle während eines Ligaspiels des FSV Zwickau vor einer Woche eine neuerliche Wendung. Am Dienstag erklärte FSV-Vorstand Gerhard Neef, dass der Spieler die Courage gehabt habe, sich zu stellen. In einem offenen Brief am Donnerstag rückte er dann von seiner Aussage gegenüber der "Freien Presse" ab, er kenne den Namen des Spielers.
Widersprüchlich geht die Vereinsspitze auch bei den rechten Fangesängen im Stadion um. Sie versuchte am Donnerstag, ihr Verhalten zu erklären. Durch Hörensagen habe man zunächst von rechtsradikalen Parolen aus dem Fanblock während der Partie gegen Aue II erfahren, heißt es in dem am Donnerstag veröffentlichten Brief. Die erste Stellungnahme mit der Zusage, "jene Brandstifter ausfindig zu machen", sei "aus Sorge um Aufklärung" entstanden. Inzwischen bezweifelt der Verein, ob es die Gesänge überhaupt gab. Offizielle Beobachter, Sicherheitsorgane und Unparteiische hätten sie nicht wahrgenommen. Deshalb vollzog der FSV in seiner zweiten Erklärung vom Mittwoch eine Kehrtwende, sprach von "überzogenen, unzutreffenden Vorwürfen".
Dass sich der Verein darin auch "im Namen der Stadt" öffentlich gegen Verunglimpfungen verwahrt - dagegen hat sich gestern wiederum Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) verwahrt und das Präsidium aufgefordert, diesen Passus zu streichen. Der FSV habe nicht das Recht dazu, zudem sei die Stellungnahme nicht abgestimmt gewesen. Findeiß bleibt bei ihren Worten vom Wochenbeginn: "Ich schäme mich und entschuldige mich für die Vorfälle." Sie bezieht sich vor allem auf das im Fanblock gespannte Transparent mit Verweis auf die bei Rechtsextremisten beliebte Bekleidungsmarke Thor Steinar sowie auf den Vorfall in der Mannschaftskabine: Ein Spieler hatte "Sieg, Sieg"-Rufen ein "Heil" angefügt. Findeiß: "Das reicht. Wir dürfen nicht verharmlosen."
Den Stein ins Rollen gebracht hatte die Fangruppe "Red Kaos", die nach der Partie gegen Aue II eine Mitteilung verbreitete. Demnach waren während des gesamten Spiels aus dem Zwickauer Fanbereich Sprechchöre mit radikalen Inhalten zu hören. Zudem warf die Gruppe dem Verein vor, "es wird nicht einmal zur Kenntnis genommen, dass organisierte Neonazis den Verein auf klassische Weise missbrauchen". Zwei Wochen vorher hatte die Fanvereinigung während der Mitgliederversammlung vergeblich versucht, die Stadionverbote gegen 14 ihrer Mitstreiter aufheben zu lassen. Die Verbote waren ausgesprochen worden, weil "Red Kaos"-Mitglieder Ende Mai den Abbruch eines Punktspiels provoziert hatten.
Einer, der ebenfalls rechte Parolen gehört hatte, ist Michael Voigt, pädagogischer Mitarbeiter im Fanprojekt Zwickau. Zwar sieht Neef dabei in erster Linie die Nähe des Projektes zu "Red Kaos", doch sagt Voigt: "Wir arbeiten immer mit allen Fans."



19:58 Uhr
schnuffelduffel: Kleine Rechtskunde:
Wer Zeuge der Begehung einer Tatbestand ist, den Täter kennt und die Sache nicht zur Anzeige bringt (oder die Aufklärung absichtlich verzögert), begeht "Straftatvereitelung". Egal zu welcher Fangruppierung er gehört. Der Geschädigte ist hier der Staat. §§ 86,86aStGB. Derjenige, welcher den Staat vertritt, nennt sich Staatsanwalt ;-)
Es handelte auch nicht um eine reine Privatveranstaltung.
Wenn jemand behauptet, ein Täter hätte sich gestellt (Aussage Neef) aber damit die Unwahrheit gesagt hat, kann mit dem Passus "Vortäuschen einer Straftat" ins Gehege kommen.
_________________________________________________
P.S. zu den Kosten (Vorsicht Sarkasmus):
Wie wäre es, wenn Fußballpiele generell als Privatveranstaltung deklariert würden, dann könnten der Staat und seine Steuerzahler Millionen Euros sparen.
18:45 Uhr
Registrierter: Im Beitrag nach "DDR-Fernsehen" und "Sieg Heil"-Ruf suchen.
http://www.heise.de/tp/artikel/35/35990/1.html
18:32 Uhr
Registrierter: Stimmt. Da lügt jemand. Leider (!) scheint der Vereinsprecher dem üblen Problem nicht gewachsen und richtet (im Gegenteil zur Bürgermeisterin, welchen einen klaren Kopf behält) selbst noch viel größeren Schaden an :-(
12:09 Uhr
Roettgers: Tipp kommt aus Reihen der Fans.
Danke Frau Thiel, dass Sie nocheinmal betont haben, dass es sich dabei um RedKaos handelt, zum anderen sollten Sie nun beginnen neu zu recherchieren, denn es zeichnet sich klar ab, dass die Gruppierung RedKaos mit dem Verein abrechnen will und man diesbezüglich andere Gruppierungen gezielt diffamiert um eigene Interessen wie bsw. eine Aufhebung der Stadionverbote zu bewirken. Es wäre nicht die erste unrühmliche Geste von RedKaos dieser Art. Ich erinnere diesbezüglich an das unverständliche Verhalten der Gruppierung am letzten Spieltag gegen Borea Dresden. Selbst danach hat es noch an Einsicht gefehlt - bis heute, wie die letzte Mitgliederversammlung gezeigt hat. Sie selbst wurden von der Gruppe bereits in Abrede gestellt, indem alle Aussagen dementiert wurden und man Ihnen somit praktisch eine blühende Fantasie unterstellen möchte.
Einer lügt hier also gewaltig. Entweder Sie als Vertreterin der Freien Presse oder Red Kaos. Eine Situation die Aufklärung verlangt und zwar im Interesse Aller!
11:40 Uhr
ts09112: Nicht nur der Fußball hat ein RECHTES Problem, die gesamte Gesellschaft hat dies. Wir alle und respektive der FSV Zwickau sollten damit offensiv umgehen und die Ärmel hochkrempeln und anfangen es zu bekämpfen. Bezogen auf den FSV heißt dies nicht nur den "Heil"-Rufer zu finden, sondern endlich die Ursachen für den Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit zu bekämpfen.