Foto: Tilo Steiner
Fast jeder fünfte Arzt an Klinik hat keinen deutschen Pass
Geordneter Betrieb eines deutschen Krankenhauses ist ohne studierte Fachleute aus anderen Ländern kaum vorstellbar
Zwickau. Zwickau. Wenn man auf der Internetseite des Heinrich-Braun-Klinikums Zwickau (HBK) den Menüpunkt Jobbörse anklickt, dann wird das Händeringen förmlich greifbar: 17 Ober-, Fach- und Assistenzarztstellen schreibt das Städtische Klinikum zurzeit aus.
Der aktuell durch die Medien geisternden Diskussion über das Für und Wider der Abwerbung ausländischer Mediziner für deutsche Kliniken kann man hier auf den Grund gehen. Denn die Entwicklung ist eindeutig. Befanden sich noch im Juli 2008 unter den damals exakt 200 Ärzten am HBK 24 Mediziner mit ausländischem Pass, also genau 12 Prozent, so hat sich dieser Anteil seither rein prozentual um die Hälfte erhöht - und in absoluten Zahlen ausgedrückt beinahe verdoppelt. Im Klartext: 43 Ausländer zählen zu dem nun 240 Mediziner umfassenden Ärztekollegium am HBK. Also fast 18 Prozent. Sie stammen aus Aserbaidschan, Bosnien, Bulgarien, Griechenland, Irak, Kasachstan, Kroatien, Mazedonien, Österreich, Polen, Rumänien, Russland, Slowakei, Slowenien, Syrien, Tschechien, Ungarn und Usbekistan und sind mittlerweile in fast allen Klinikbereichen präsent.
Dass die Anzahl der Ärzte an sich zugenommen hat, liegt vor allem an der Erweiterung des Angebots am Klinikum, sagt der ärztliche Direktor Dr. Siegfried Zielmann. So fielen in die vergangenen drei Jahre die Gründung der Klinik für Innere Medizin II (Nieren- und Magen-Darm-Heilkunde, Endokrinologie und Diabetologie), der Klinik für Geriatrie, der Abteilung Interventions- und Neuroradiologie und der Klinik für Wirbelsäulenchirurgie und Neurotraumatologie. Darüber hinaus wurden einzelne Leistungsbereiche etabliert oder verstärkt, zum Beispiel die Schmerztherapie, die Gefäßmedizin und die Handchirurgie. Dadurch ist der ärztliche Personalbedarf allgemein gewachsen. Aber: "Der gewachsene Anteil an ausländischen Ärzten ist ein Ausdruck des Mangels an deutschen Bewerbern", sagt Zielmann.
Nach wie vor erfolgt die Besetzung freier Stellen im Wesentlichen durch Ausschreibungen in Tageszeitungen, Fachblättern, Jobbörsen im Internet sowie auf der eigenen Website. Zunehmend schaue man auch auf Nachbarländer und inseriere zum Beispiel in der tschechischen und polnischen Fachpresse oder der österreichischen Jobbörse. Auch Personalagenturen mit "Headhuntern"- das sind gezielte Abwerber - und Leiharbeitsfirmen seien behilflich bei Besetzung freier Stellen.



08:46 Uhr
Zwickauer1982: Der Fachärztemangel würde weitaus geringer ausfallen, wenn wir unseren deutschen Medizinern ordentliche Arbeitsbedingungen bieten würden. Ausländische Mediziner arbeiten noch unter den Bedingungen weil der Lohn dafür noch deutlich höher ist als im Heimatland. Uns fehlen oft die Fachkräfte weil sie von den Arbeitsbedingungen hierzulande verkrault werden. Viele Entscheiden sich doch noch für Familie und Glück anstatt für Karriere, was auch gut so ist. Ich hoffe das versteht die Wirtschaft auch noch irgendwann.