Heinz Schlenker (rechts) hat seinen Nachfolger Amin Wuttke nicht nur in den unvermeidlichen Papierkram, sondern auch in die psychologisch-menschliche Dimension des Friedensrichteramtes eingewiesen.
Foto: Torsten Kohlschein
Friedensrichter gibt Amt an 40 Jahre jüngeren Nachfolger ab
Zehn Jahre lang hat Heinz Schlenker zerstrittenen Nachbarn zur außergerichtlichen Einigung verholfen
Lichtentanne. Der nüchterne Büroraum unterm Dach des Lichtentanner Rathauses macht nicht den Eindruck eines magischen Orts. Und doch: Heinz Schlenker hat hier kleine Wunder erlebt. "Vor mir haben Leute gesessen, die wollten einander am liebsten an die Gurgel gehen, am Ende sind sie sich um den Hals gefallen", erzählt er.
Seit 2002 hat Schlenker als Friedensrichter für Lichtentanne gearbeitet - als Instanz, mit deren Hilfe versucht werden sollte, Nachbarschaftsstreitigkeiten zu klären, ohne dafür die klassische Justiz zu bemühen. Im Dezember hatte der Gemeinderat den 33-jährigen Amin Wuttke, Karriere- und Einstellungsberater für ganz Westsachsen bei der Bundeswehr, zum Nachfolger des 73-Jährigen gewählt.
Tipps auf den Weg mitgegeben
Ein geordneter, konstruktiver Übergang, für den der Vorgänger dem Nachfolger nicht nur formale Regeln vom korrekten Ausfertigen der verschiedenen Formulare bis zur Jahresabrechnung mit dem Amtsgericht vermittelt, sondern ihm auch einige nützliche Tipps mit auf den Weg gegeben hat: "Lass dir in der Verhandlung nie die Fäden aus der Hand nehmen. Anwälte, die ihre Klienten begleiten, versuchen das gern. Aber die müssen sich im Hintergrund halten. Die Leute sollen sich selbst zu ihrem Fall äußern, und beide Kontrahenten müssen persönlich erscheinen", betonte Schlenker, der Wuttke überdies dazu riet, Ortstermine stets und ausschließlich gemeinsam mit beiden Streitenden wahrzunehmen: "Kommst du allein, und jemand merkt es, hat das schnell den Geruch der Parteilichkeit", sagt der Rentner.
Verbissenheit muss sein
Dessen beruflicher Werdegang vom Seemann zum Kesselbauingenieur, zwischen Ost und West, böte nicht nur genug Stoff für einen Roman. Er hat ihm auch jede Menge Menschenkenntnis beschert und sein Gerechtigkeitsempfinden für das Ehrenamt geschärft: "Offenheit, Toleranz gehören dazu, auch Verbissenheit, eine Lösung zu finden, mit der alle leben können," sagt er.
Damit findet er bei Wuttke offene Ohren: "Das persönlich gesprochene Wort spielt heute eine viel zu geringe Rolle. Ich sehe mich als Vermittler", sagt er.
Service
Die Sprechstunde der Schiedsstelle für Lichtentanne findet jeweils am 1. und 3. Dienstag des Monats, 14 bis 17 Uhr, im Rathaus Lichtentanne, Hauptstraße 69, statt.


