Nachdem die Gardekobrache verschwunden ist, hören die Anwohner der Carolastraße den Lärm von der Werdauer Straße. Die Häuser an der Carolastraße hat Kurt Fliegerbauer saniert.
Nachdem die Gardekobrache verschwunden ist, hören die Anwohner der Carolastraße den Lärm von der Werdauer Straße. Die Häuser an der Carolastraße hat Kurt Fliegerbauer saniert.

Foto: Andreas Wohland

Gebäudeabriss hat ein Nachspiel

Ehemaliges Gardeko-Werk in Zwickau wurde Ende Oktober abgerissen - Genehmigung fehlte

Zwickau. Der Abriss des markanten Klinkerbaus an der Werdauer Straße hat nicht nur in Zwickau für Aufsehen gesorgt. Die Mitarbeiter im Dresdner Landesamt für Denkmalschutz nahmen das Verschwinden des Hauses ebenfalls zur Kenntnis. Sie taten das mit einem Stirnrunzeln.

Genehmigung gibt es nicht

Denn offenbar verschwand das Haus nicht nur schnell, sondern zu schnell. Am 20. Oktober hatte die Stadt die Straße vor dem seit der Wende leerstehenden Werk sperren lassen, vier Tage später begann der Abriss. Begründung: Gefahr in Verzug. Bei einem Besichtigungstermin war gesagt worden, Teile des Gebäudes könnten ein- und auf die Straße stürzen. Möglicherweise fällt nun dem ehemaligen Besitzer das nicht mehr vorhandene Haus auf die Füße, denn für den von ihm veranlassten Abriss gab es keine Genehmigung. Jedenfalls nicht vom Landesamt für Denkmalschutz. Ohne die darf ein geschütztes Gebäude wie das ehemalige Gardinen- und Dekorationswerk aber nicht von der Bildfläche verschwinden, sagt Sabine Webersinke, Sprecherin der Landesbehörde. Mehr noch: "Nach unserem Wissensstand ist noch nicht einmal die untere Behörde von dem Vorhaben in Kenntnis gesetzt worden." Das heißt: Auch das Denkmalamt der Stadt Zwickau wurde von den Tatsachen überrascht. Ein klarer Verstoß gegen das sächsische Denkmalschutzgesetz, sagt Sabine Webersinke. Da komme zwar vor, allerdings äußerst selten.

Aus diesem Grund haben die Zwickauer Denkmalschützer nun ein Anhörungsverfahren gegen den Hausbesitzer eingeleitet, heißt es weiter aus Dresden. Denn der hat letztlich - nachdem die Stadt Gefahr in Verzug gemeldet hatte - den Auftrag zum Abriss ausgelöst. Ob er nun bewusst rechtswidrig gehandelt hat oder jetzt nur den schwarzen Peter in Händen hält, muss noch geklärt werden. Derzeit möchte sich der Besitzer, ein Unternehmen in Bayern, mit der Beurteilung der Lage zurückhalten, sagte ein Vertreter am Montag.

Baulöwe reicht Klage ein

Es gibt auch andere Stimmen, die sehen die Verantwortung für den Abriss bei der Stadt. Baulöwe Kurt Fliegerbauer ist so einer, der mit seiner Kritik nicht hinterm Berg hält. Er hat jetzt Strafanzeige gegen Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) und Baubürgermeister Rainer Dietrich (CDU) gestellt. Sein Vorwurf: Sie hätten den Abriss verhindern müssen. "Kulturschändung", nennt er das und: "ein schwerwiegendes Verbrechen". Nun ermittelt die Polizei, anschließend reicht sie die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft weiter. Fliegerbauer will damit vor allem eines erreichen: Aufmerksamkeit. Der Unternehmer arbeitet an einem Konzept zum Umgang mit Abrisshäusern. Das will er der Stadt schenken. Wie sehr die sich darüber noch freuen kann, will Fliegerbauer nicht einschätzen.

 
erschienen am 16.11.2011 ( Von Sara Thiel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
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  • 20.11.2011
    08:31 Uhr

    enzikat: Das Gebäude steht praktisch seit 1991/92 leer. Keiner hat sich dafür interessiert. Auch der Herr Fliegerbauer nicht. Hinterher klug daherreden kann jeder. Warum hat der Besitzer oder auch der doch so angagierte Herr Fliegerbauer nicht vorher etwas unternommen.
    Herr Fliegerbauer tritt immer nur auf den Plan, wenn er mit seinen Aktionen recht viel Aufmerksamkeit erregen kann. Siehe diese Plakataktion.

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  • 17.11.2011
    09:30 Uhr

    Luzifer: Man kann zu Herrn fliegerbauer stehen wie man will, aber Recht hat er. Es ist Willkür und Kulturschändung was die Stadt sich da immer wieder erlaubt.

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