Sandro Tröger: Er wartet auf sein Arbeitszeugnis.Foto: Marcus Richter/Archiv
Gewerkschaftschefin vergisst Arbeitszeugnis
Ehemaliger Wahlkreisbüro-Mitarbeiter kämpft um seine Beurteilung
Zwickau.
Zwickau. Sie kämpft gegen Lohndumping in Supermärkten, prangert Leiharbeit, Minijobs und Hartz IV an - wer sich als Arbeitnehmer ungerecht behandelt fühlt, geht zu Sabine Zimmermann (49). Die Bundestagsabgeordnete der Linken und Gewerkschaftschefin ist aber auch Arbeitgeberin - und ihr Ex-Mitarbeiter im Zwickauer Wahlkreisbüro Sandro Tröger (32) kämpft jetzt um seine Rechte, hat Zimmermann schon zweimal schriftlich angemahnt.
Denn die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Südwestsachsen hat vergessen, ihm ein Arbeitszeugnis für seine fünfjährige Tätigkeit auszustellen. Klingt banal, ist es aber nicht. Tröger, seit Jahresbeginn arbeitslos, schreibt Bewerbungen, kann aber keine Beurteilung des letzten Arbeitgebers vorweisen. Deshalb bat er am 18. Januar und 15. Februar seine ehemalige Chefin um eine Beurteilung: "... hiermit möchte ich Dich daran erinnern und bitten, mir zeitnah mein Arbeitszeugnis zuzusenden, das ich für meine Bewerbungen dringend benötige". Im zweiten Brief appelliert er an Zimmermanns linkes Herz: "Als arbeitsmarktpolitische Sprecherin unserer Fraktion und als DGB-Regionsvorsitzende sollte Dir klar sein, dass mir ein ordentliches Arbeitszeugnis zusteht."
Sabine Zimmermann: Sie verspricht eine sofortige Beurteilung.Foto: Marcus Richter/Archiv
Das bestätigt der Zwickauer Verdi-Mitarbeiter Heino Seidel. "Auf ein Arbeitszeugnis wird Wert gelegt, sonst kann es passieren, dass die Bewerbung gar nicht beachtet wird." Die Gewerkschaft erhielt von Tröger eine Vollmacht, das Arbeitszeugnis einzufordern. Verdi - wie Zimmermann mit Sitz im Gewerkschaftshaus an der Bahnhofstraße - hat vorgestern das Schreiben an ihr Berliner Büro geschickt. In anderen Fällen, wenn es sich nicht gerade um die DGB-Chefin handelt, droht Verdi mit Klage vor dem Arbeitsgericht.
Zimmermann versprach gestern: "Das Arbeitszeugnis geht heute raus." Sie habe es schon im Dezember geschrieben, doch vergessen abzuschicken, obgleich sie als Gewerkschafterin um die Bedeutung wisse. Die zwei schriftlichen Erinnerungen ihres Ex-Mitarbeiters habe sie nie erhalten, versichert Zimmermann.
Trögers Arbeitsvertrag lief regulär per 31. Oktober 2009 aus - mit Ende der alten Legislaturperiode des Bundestages. Dass sie ihn nicht weiterbeschäftigen wird, teilte ihm Zimmermann am 29. Oktober 2009 mit - nach ihren Wiederwahlen als Bundestagsabgeordnete und als Chefin der neu zugeschnittenen DGB-Region. Wohl auf Grund der Kurzfristigkeit kam die Abgeordnete ihrem Büromitarbeiter entgegen und verlängerte den Arbeitsvertrag bis Jahresende. Warum sich ihre beruflichen Wege trennten, begründet Zimmermann öffentlich nicht. Nur soviel: "Arbeitsrechtlich lief alles korrekt." Im Gespräch mit Tröger warf sie ihm Vertrauensverlust vor.
Bevor er ab 2005 für die linke Abgeordnete arbeitete, war er im Wahlkreisbüro des Zwickauer CDU-Bundestagsabgeordneten Michael Luther tätig. Dieses Arbeitsverhältnis endete mit Trögers CDU-Austritt.


