Filigraner und prächtiger als das 1937 erbaute Exemplar des Kirchberger "Drehturmes für alle" ist die Pyramide des Wilkau-Haßlauers Thomas Lutze. Das Erbstück könnte damals als Modell gedient haben. Foto:
Foto: Hans-Peter Kuppe
Heimatverein sucht nach dem alten Drehturm
Haben sich Baumeister an alter Weihnachtspyramide aus Wilkau-Haßlau orientiert?
Wilkau-Haßlau/Kirchberg. Wilkau-Haßlau/Kirchberg. Die alte Kirchberger Weihnachtspyramide, 1937 für 310 Reichsmark als "Drehturm für alle" von Franz Lippmann gebaut und nur ein Jahr in Betrieb, ist bis heute verschollen. 2010 soll sich in Kirchberg ein Nachbau dieser Pyramide drehen. Fotos des Originals gibt es noch.
Bei der Spurensuche nach der alten Pyramide stießen die Kirchberger Natur- und Heimatfreunde auf ein Prachtstück, das vor rund 110 Jahren in Kirchberg gebaut worden war und sich heute im Wohnzimmer des Wilkau-Haßlauers Thomas Lutze dreht. Der 51-jährige Selbstständige hat sie vom Vater bekommen, er wiederum von seinem Vater. "Mein Opa hatte auch die Baupläne, die sind verschwunden", bedauert Lutze. Das 1,80 Meter große Erbstück ist eine meisterliche Handwerksarbeit aus vier abnehmbaren Segmenten und Verzierungen aus Blattgold. "Sie ist so perfekt gebaut, dass zwei Kerzen genügen, um sie in Bewegung zu setzen. Dafür muss sie exakt in Waage stehen", erklärt er.
Sogar Originalfiguren aus Pappmaschee zieren die Ebenen. Die Flügel waren ursprünglich blau mit kleinen goldenen Sternen. "Sie sollten den Himmel verkörpern", sagt Lutzke und weiß vom Großvater, dass sich der Baumeister des Kunstwerks am Kölner Dom orientiert hat. "Viele Pyramiden, die in Kirchberg gebaut wurden, haben diesen gotischen Stil", bestätigt Wolfgang Prehl, Chef der Heimatfreunde, und zweifelt nicht an deren Herkunft.
Mehrere Jahre lang zog Thomas Lutzes Prachtstück die Blicke der Kunden an, die im Weingeschäft seiner Frau an der Wilkau-Haßlauer Breitscheidstraße einkauften.
Foto des Kirchberger "Drehturms" aus dem Jahr 1937.
Foto: Marcus Richter
Dort war sie ein echter Magnet in der Weihnachtszeit. Für die Familie hat das wertvolle Kunstwerk längst einen hohen moralischen Wert. "Wir halten das Erbstück in Ehren halten. Der Kirchberger Schnitzer Frank Zoller hat beim Restaurieren ganze Arbeit geleistet."


