Martin Böttger: Wundert sich über die Absage aus den Reihen des Horch-Fördervereins.Foto: Andreas Truxa
Horch und Guck: Autoverein lehnt Autovortrag ab
Museumsförderer finden Wirtschaftsthema unpassend
Zwickau. Zwickau. Der DDR-Fahrzeugbau, das Mit- und auch Gegeneinander der Produktionsstandorte Zwickau und Eisenach, die Innovationskraft der ostdeutschen Auto-Ingenieure: Ein Vortrag, der diese Aspekte der DDR-Automobilhistorie beleuchtet, sollte in Zwickau ein interessiertes Publikum finden. Und welcher Veranstaltungsort wäre dafür besser geeignet als das August-Horch-Museum, wo jedermann "automobile Geschichte erleben" kann, wie es auf der Internetseite der Einrichtung heißt. Doch weit gefehlt. Wenn am Donnerstag der Historiker und Archivar Hans-Christian Herrmann auf Einladung der Stasiunterlagenbehörde den "Kampf hinter den Kulissen um die Modernisierung des DDR-Fahrzeugbaus" beleuchtet und dabei die Frage "Mittag contra Mielke?" zu beantworten sucht, muss er in den Alten Gasometer ausweichen. Der Förderverein des Automobilmuseums nämlich lehnt das Thema ab.
Verein: Alle Termine vergeben
Der Leiter der Chemnitzer Außenstelle der Stasiunterlagenbehörde, Martin Böttger, wundert sich darüber. Ende 2009 habe er wegen des Vortrags beim Förderverein angefragt, als Antwort aber erhalten, "dass dieser nicht ins Programm passt". Ob die Gründe dafür terminlicher oder inhaltlicher Natur sind? Ganz sicher ist sich Böttger nicht.
Rolf Alscher, der für den Förderverein die Geschäfte führt, klärt auf: Dem Förderverein stehe nur einmal im Monat - jeden ersten Donnerstag - ein Vortragsraum zur Verfügung, "ansonsten ist er an die Cafeteria vermietet". Für das ganze Jahr seien die Termine bereits vergeben.
Referent: Es geht nicht um Stasi
Also nur ein Zeitproblem? Mitnichten. "Das Thema passt nicht in unsere Satzung", rückt Alscher dann doch mit der Sprache heraus. "Wir fühlen uns verantwortlich für die Pflege der Traditionen des Automobilbaus in Sachsen", sagt er. Ob die im Vortrag thematisierte Trabi-Produktion und das Gelenkwellenwerk in Mosel nichts damit zu tun hätten? "Das schon, aber das Thema wird ja auch politisch ausgeschlachtet", so Alscher. Und das wolle man nicht.
Den Referenten wundert das. Politisch sei an seinem Vortrag rein gar nichts, sagt Hans-Christian Herrmann, es gehe um Wirtschaftshistorie. Mit "Horch und Guck" und der Stasi habe das trotz des Protagonisten Erich Mielke - von 1957 bis 1989 deren Leiter - nichts zu tun. Interessant sei das Thema für alle Autointeressierten. Also für all jene, die der Horch-Förderverein ansprechen will.
Termin
Der Vortrag "Mittag contra Mielke? - Der Kampf hinter den Kulissen um die Modernisierung des DDR-Fahrzeugbaus" beginnt am Donnerstag, den 4. März, 19 Uhr im Alten Gasometer Zwickau.


