Landwirt Diese Woche saß Wolfgang Hilbig auf einem Mähdrescher und brachte mit seinen Kollegen den Raps vom Feld.

Foto: Wiegand Sturm

Im Herbst geht es vom Feld in den Hörsaal

Wolfgang Hilbig aus Mülsen hat seine Lehre als Landwirt mit einem Notendurchschnitt von 1,5 abgeschlossen

Mülsen/Dennheritz. So lange Wolfgang Hilbig denken kann, wollte er Landwirt werden. Jetzt hat der 22-Jährige sein Ziel erreicht und den besten Abschluss der zwölf Absolventen im Kreis Zwickau geschafft. Ab Herbst will der Niclaser, der vor der Lehre schon sein Abitur gemacht und den Wehrdienst geleistet hat, weiter lernen. "Ich werde entweder in Pillnitz Agrarwirtschaft oder in Halle Agrarwissenschaften studieren", sagt Wolfgang Hilbig. "An beiden Stellen habe ich mich beworben."

Doch vor dem Theoriebüffeln ist der junge Mann erst einmal im Praxiseinsatz. Mit seinen Kollegen bringt er zurzeit die Ernte von den Feldern seines Ausbildungsbetriebes, der Agrarproduktion Dennheritz, ein. "Ich sitze entweder auf dem Mähdrescher oder bringe mit Traktor und Hänger Stroh ein", sagt er. Jetzt bei dem trockenen Wetter ist er mit seinem Team von 9 Uhr, wenn der Tau getrocknet ist, oft bis in die Nachtstunden hinein im Einsatz.

Dass andere Urlaub machen oder baden gehen, während er auf der Erntemaschine sitzt, stört ihn nicht. "Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen. Da ist es normal, im Sommer bei Gluthitze zu arbeiten", sagt der 22-Jährige. Normal ist es für ihn ebenfalls, zu Hause in Mülsen St. Niclas auf dem Hof mit zuzupacken. Dort gibt es Kühe und Kälber, Hühner und Tauben. Alle wollen versorgt sein. Zu den tierischen Bewohnern gehören außerdem mehrere Katzen sowie Spitzmischling Erwin.

Siebte Generation auf dem Hof

Der junge Mann ist die siebte Generation auf dem Hof. Sein Opa, Horst Hilbig, ist ebenfalls Landwirt, genau wie Oma Erika. Der 81-Jährige ist stolz auf den guten Abschluss seines Enkels. "Ich freue mich, dass Wolfgang wie ich Bauer geworden ist. Wir haben noch eine Landwirtschaft im Nebenerwerb. Ich bin inzwischen 81 Jahre alt, da fällt einem die Arbeit immer schwerer. Eigentlich macht Wolfgang jetzt das meiste", sagt er.

Der Enkel hat vom Großvater nicht nur die Liebe zur Landwirtschaft vermittelt bekommen. Auch in der Kommunalpolitik ist er in die Fußstapfen des Opas getreten. Dieser war von 1961 bis 2009 Gemeinderat und zeitweise auch stellvertretender, ehrenamtlicher Bürgermeister in Mülsen St. Niclas sowie nach der Zusammenlegung der acht Dörfer im Mülsengrund Gemeinderat von Mülsen. 2009 kandidierte der damals erst 19-jährige Wolfgang Hilbig und schaffte auf Anhieb den Sprung ins Parlament.

"Ob zum Kaffeetrinken oder zum Abendessen: Bei uns wird immer mit den Eltern und Großeltern am Tisch über die große und die kleine Politik diskutiert", sagt der junge Landwirt, der bereits im Alter von 14 Jahren Mitglied der jungen Union und mit 16 CDU-Mitglied wurde. "Von meinem Opa habe ich viel gelernt für meine Arbeit im Gemeinderat."

Arbeit als Selbstverwirklichung

Wolfgang Hilbig ist so bodenständig, wie man es den Bauern nachsagt. Deshalb will er auch nach dem Studium weiter auf dem Hof in Niclas leben. Und gern würde der junge Mann dann wieder in der Dennheritzer Agrarproduktion arbeiten, denn der Hof mit seinen Tieren ist eher ein Hobby, davon kann er nicht leben. Die meisten Flächen sind an einen großen Betrieb verpachtet. Der Geschäftsführer des Ausbildungsunternehmens, Joachim Ranft, freut sich über den tollen Lehrabschluss des Niclasers und sagt: "Er hat gute Chancen, nach dem Studium wieder bei uns einzusteigen. Schließlich brauchen wir immer gute Leute."

Ein Job bei VW, wo er besser verdienen würde, kommt für Wolfgang Hilbig nicht infrage. "Ich sehe Arbeit auch als Selbstverwirklichung. Und die finde ich in der Landwirtschaft."

 
erschienen am 02.08.2012 ( Von Viola Martin )
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