Blick aus Richtung Thurmer Straße auf das geplante Industriegebiet Schneppendorf.
Foto: Marcus Richter
Industriegebiet Schneppendorf: Stadt bleibt bei ihrem Plan
Baubürgermeister reagiert gelassen auf Äußerungen der Landesdirektion Chemnitz
Zwickau. Muss die Verwaltung jetzt umplanen? Thomas Hertzsch glaubt schon. Der Chef der Bürger-initiative Schneppendorf erhofft sich von der Stellungnahme aus Chemnitz etwas mehr Zeit im Kampf gegen das geplante, 114 Hektar große Industriegebiet vor seiner Haustür. Immerhin hat die Landesdirektion darauf hingewiesen, dass laut dem Regionalplan Südwestsachsen in Schneppendorf allenfalls Betriebe von mindestens regionaler Bedeutung angesiedelt werden dürfen. Zudem soll das Areal erst überplant werden, wenn sich solch ein Investor gefunden hat.
VW zeigt Interesse
Baubürgermeister Rainer Dietrich (CDU) beeindruckt das wenig. Eine Stellungnahme wie viele andere auch sei das Schreiben aus Chemnitz. "Wenn man einem Mittelzentrum solche Dinge genehmigt, muss man das auch bei einem Oberzentrum tun", sagt er mit Blick auf das Gewerbegebiet Meerane. Umdenken müsse die Stadt wegen dieser Stellungnahme nicht, versicherte er. Denn die habe bereits ein Auge auf die geforderten Großbetriebe geworfen. "Wir wollen dort keine Schmiede mit zwei Beschäftigten ansiedeln." Statt dessen habe etwa VW Interesse an dem Standort bekundet.
Eine zweite Forderung der Landesbehörde lautet, Zwickau soll für kleinere Ansiedlungen innerstädtische Brachen revitalisieren. Doch die habe man kaum zur Verfügung, so Dietrich. "Insgesamt kommen wir auf 5,5 Hektar kleinteiliger Flächen." Die Landesdirektion schreibt von 160 Hektar. "Das muss man mir schon mal erklären", wundert sich der Bürgermeister.
Anwohner sollen gehört werden
Als Begründung für die Einschränkungen nennt die Landesdirektion die im dicht besiedelten Raum Chemnitz-Zwickau ohnehin knappen Flächen für große Betriebe. Die wenigen vorhandenen - und Schneppendorf-Nord ist eine davon- sollen dafür sorgen, dass in der Region neue Industriearbeitsplätze entstehen. Das ist jedoch nur die eine Seite. Behördensprecherin Anja Werler weist zudem darauf hin, dass sich Zwickau zudem um die Schutzansprüche der Anwohner kümmern muss. Das würde Dietrich auch tun, sagte er. "Aber die Bürgerinitiative hat es bislang abgelehnt, mit uns zu reden." Statt dessen hatten Hertzsch und seine Mitstreiter das Gespräch mit den Stadträten gesucht. Bislang erfolglos. Hertzsch: "Einer hat gesagt, sie haben einen Maulkorb verpasst bekommen."

