Markus M. Merbecks Erstellt als Insolvenzverwalter zunächst ein Gutachten: Markus M. Merbecks.

Foto: R. Köhler

Insolvenz des Fußballvereins: Beteiligte halten den Ball flach

Rechtsanwalt Markus M. Merbecks nimmt sich des FSV Zwickau an - Verwaltungsrat setzt Vorstand ein -Fans sehen Krise als Chance

Zwickau. Zwickau. Es ist ein schwerer Schlag, aber er kam nicht von ungefähr. Die Nachricht von der Insolvenz des FSV Zwickau haben Fans und Weggefährten am Montag erstaunlich gelassen aufgenommen.

Auch der vorläufig eingesetzte Insolvenzverwalter Markus M. Merbecks bemühte sich, den Ball flach zu halten. Innerhalb der nächsten sechs Wochen wird er ein Gutachten erstellen, ob überhaupt die Voraussetzungen für ein Insolvenzverfahren erfüllt sind. Der FSV Zwickau hat den Insolvenzantrag selbst gestellt. Allerdings durfte das nicht der Verwaltungsrat tun - das einzige zuletzt noch verbliebene Gremium. Um den Schritt zum Gericht zu gehen, wurden Fritz Binder und Herbert Krause als Vorstand eingesetzt. "Sie haben diese Funktion nur zu diesem Zweck übernommen", so Verwaltungsrat Michael Bauer über die beiden langjährigen Vereinsmitglieder und Sponsoren, die selbst schon im Verwaltungsrat mitgearbeitet haben.

Außerhalb des FSV stieß die Nachricht über die Insolvenz auf geteiltes Echo. Jens Juraschka, Präsident des Kreissportbundes, sagte: "Es ist nun eingetreten, was sich über Jahre hingezogen hat. Die Frage ist jetzt, wie es weitergehen soll. In jeder Krise steckt ja auch eine Chance für einen Neubeginn, so abgedroschen das klingen mag." Doch wie dieser Neubeginn aussehen soll, weiß noch keiner. Für Rudi Witt gibt es nur eine Lösung: Weitermachen mit Zwickauer Köpfen. Seit Anfang der 50er-Jahre hält der heute 72-Jährige dem Verein die Treue. Aber vom letzten Vorstand war er so enttäuscht, dass er sich zurückgezogen und der zweiten Mannschaft zugewandt hat.

Auch Thomas Pfefferkorn hadert mit dem alten Vorstand. Der Vorsitzende des Fußball-Kreisverbandes sagte über die Zusammenarbeit: "Alle Hinweise von uns wurden negiert." Pfefferkorn sieht zwar das Ende des Vereins noch nicht gekommen. Doch er weiß: "Der Name FSV Zwickau ist in der Wirtschaft nicht mehr zu verkaufen." Schuld daran seien die negativen Erfahrungen, die man in der Vergangenheit mit dem Verein gemacht habe.

Ex-Präsidiumsmitglied Michael Luther sieht das anders. Der CDU-Bundestagsabgeordnete setzt gerade auf die Wirtschaft, um den FSV auf sichere Füße zu stellen. "Hauptsächlich ist zu bemängeln, dass es zu wenige Sponsoren aus Zwickau gegeben hat. Die Breite war einfach zu gering." Luther hatte sich aus der Verantwortung verabschiedet, weil er wegen seines Berufs nur noch Außenministeraufgaben wahrnehmen konnte, wie er sagte. "Das würde ich auch weiterhin tun, aber das Kapitel Präsidium ist für mich erledigt." Für ihn sei jetzt wichtig, dass der Verein nicht aufgelöst wird.

Dass es weitergeht - davon ist Mirko Otto vom Fanclub Red Kaos überzeugt. "Wir sehen die Insolvenz als positive Chance", sagte er. Im Verein möchte man jetzt vor allem die laufende Rückrunde so attraktiv wie möglich gestalten. Vorbild dafür ist der Aktionstag am Sonntag. Otto erhofft sich von einem neuen Vorstand mehr Transparenz, damit wieder Vertrauen entstehen kann.

Der Ex-Nationaltorhüter Jürgen Croy, bis Mai 1997 im FSV-Verwaltungsrat, hielt sich zurück: "Mir tut es ganz einfach leid, dass der Verein in diese Situation geschlittert ist. Ich habe aber seit 15Jahren keinen Einblick mehr in die Details, und von außen kluge Kommentare abzugeben, liegt mir nicht. Man kann nur hoffen, dass im Verfahren berücksichtigt wird, dass es sich um einen Verein mit großen Traditionen handelt."

 
erschienen am 08.03.2010 ( Von Sara Thiel und Thomas Croy )
 
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