C. Jacob Ein Bild, das sich immer öfter in Westsachsens Feuerwehren zeigt: Junge Frauen in Einsatzkleidung. Die 25-jährige Carolin Jacob ist Trupp-Führerin in der Niederschindmaaser Wehr.

Foto: Wiegand Sturm

Junge Frauen zieht's an den Brandherd

Sanitäts- und Küchendienst waren gestern

Zwickau. Ob Brand, Unfall oder Hochwasser: Wird die Freiwillige Feuerwehr Niederschindmaas alarmiert, rückt Carolin Jacob (25) mit aus. Sie hat für ihre Feuerwehr-Ausbildung rund 100 Stunden die Schulbank gedrückt. "Ich kann anderen Leuten helfen. Das ist ein gutes Gefühl", sagt die Pflegemanagement-Studentin, die als Elfjährige zur Jugendwehr kam. Ihr Vater Uwe gehört ebenfalls zur Feuerwehr im Dorf. Ihr bisher schwierigster und längster Einsatz war das August-Hochwasser 2002, sagt Jacob. Den Männern steht sie in nichts nach: Die 25-jährige Trupp-Führerin füllt Sandsäcke, gibt am Funk Informationen weiter, schleppt Schläuche.

Carolin Jacob ist kein Einzelfall. Immer mehr Frauen strömen in die Freiwilligen Feuerwehren des Landkreises Zwickau, 492 sind es insgesamt, macht einen Frauenanteil von 13,1 Prozent. Kreisbrandmeister Thomas Wende liegen zwar keine Vergleichszahlen vor, bestätigt aber den Trend. "Im Jahr 2004 lag der Frauenanteil mit Sicherheit noch deutlich unter 10 Prozent", sagt der oberste Brandschützer im Landkreis. Auch die Aufgaben ändern sich. In der Vergangenheit haben sie sich vor allem bei Veranstaltungen engagiert: Kuchen gebacken, Kaffee gekocht, sauber gemacht. Mittlerweile tauchen die Feuerwehr-Mädels bei Einsätzen immer häufiger in der ersten Reihe auf.

Die Wehr in Mülsen St. Micheln hat aufs Klischee gesetzt, offenbar um bewusst zu provozieren: Am Depot hängt ein Plakat "Frauen an den (Brand)-Herd". Im Ernstfall rücken zwei Frauen mit aus. Steffen Hergert von der Wehrleitung ist zuversichtlich, dass die Zahl in den nächsten Jahren steigt. In der Jugendfeuerwehr macht sich der weibliche Nachwuchs bereit. "Die Frauen tun dem Klima gut", sagt Hergert. Im Mülsener Ortsteil Ortmannsdorf haben die fünf Feuerwehr-Frauen im neuen Gerätehaus ihre eigenen Sanitär- und Umkleideräume erhalten.

Von einer Kettenreaktion spricht der Fraureuther Bürgermeister Matthias Topitsch (CDU). Aus der Ortsfeuerwehr in Beiersdorf haben mit Saskia Adler und Hannah Böttcher zwei junge Frauen die Ausbildung zur Trupp-Führerin abgeschlossen. "Die Mädels haben Gefallen an der Feuerwehr. Es ist ganz wichtig, dass sich diese Entwicklung fortsetzt", sagt Topitsch. In Callenberg hat mit Nicole Romanowski eine junge Frau sogar die Aufgabe der stellvertretenden Wehrleiterin übernommen.

Die Feuerwehr in Niederschindmaas zählt 56 Einsatzkräfte - neben Carolin Jacob sind acht weitere junge Frauen dabei. Auch sie haben bereits einen eigenen Umkleideraum. Ihr Domizil befindet sich im alten Konsum - direkt neben dem Gerätehaus. Gibt es Spezialaufgaben für die Feuerwehr-Frauen? Gemeindewehrleiter Matthias Machatz schüttelt den Kopf. "Wir wissen nie, was bei einem Einsatz auf uns zukommt. Deshalb können wir die Aufgaben vorher nicht verteilen. Die Frauen müssen überall mit anpacken."

 
erschienen am 09.08.2011 ( Von Holger Frenzel )
 
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