Schulleiterin Isa Lodemann (rechts) ist ratlos. Sie weiß bis jetzt nicht, wer ab dem neuen Schuljahr die Klasse der schwangeren Klassenlehrerin Carina Walter übernehmen soll. Schulleiterin Isa Lodemann (rechts) ist ratlos. Sie weiß bis jetzt nicht, wer ab dem neuen Schuljahr die Klasse der schwangeren Klassenlehrerin Carina Walter übernehmen soll.

Foto: Andreas Wohland

Kirchberger Grundschüler stehen ohne Klassenlehrer da

Zwei Lehrerinnen haben Dienst quittiert - Eltern sammeln Unterschriften

Kirchberg. Isa Lodemann möchte sich ihren Optimismus nicht verderben lassen. Deswegen bekommt sie keine Panik. Sie möchte aber auch kein Risiko eingehen. Deswegen ruft die Leiterin der Kirchberger Ernst-Schneller-Grundschule regelmäßig bei der Bildungsagentur an. Ihre Frage: Wann bekommen wir endlich zwei neue Klassenlehrer? Mit dem Schuljahr haben sich am Freitag auch zwei Lehrerinnen verabschiedet - eine erwartet ein Baby, die andere geht in den Ruhestand. Das sind zwei Ausfälle, die lange vorhersehbar waren. "Wir sind im Februar gefragt worden, ob wir Lehrer brauchen", berichtet die Schulleiterin. Bekommen hat sie noch keine. Nur ein Versprechen: "Die Bildungsagentur hat gesagt, am 3. September steht vor jeder Klasse ein Klassenlehrer."

Klassen werden nicht größer

Nicht nur sie verabschiedet sich mit einem unguten Gefühl in die Ferien. Das tun auch die Kinder. "Meine Tochter hat geweint, weil sie ihre Lehrerin verliert", sagt Anja Roocke, Elternsprecherin in einer der zweiten Klassen. "Ich hab ihr erklärt, dass ihre Lehrerin sich um die ganz neuen Schüler kümmern muss, weil für sie eine feste Bezugsperson noch viel wichtiger ist." Doch auch eine Drittklässlerin möchte wissen, an wen sie sich vertrauensvoll wenden kann. Zumal es für diese Klasse nicht der erste Lehrerwechsel ist.

Was passiert, wenn am 3. September nicht vor jeder Klasse ein eigener Lehrer steht, wagt sich Isa Lodemann nicht auszudenken. Von Lösungen innerhalb des Kollegiums spricht sie. Und davon, dass das mit sieben Lehrern bei acht Klassen gar nicht möglich ist. Auch lassen sich keine Klassen zusammenlegen. Denn im Durchschnitt sitzen schon 25 Mädchen und Jungen in einem Zimmer. Im vergangenen Jahr wurden bereits Klassen zusammengelegt. "Das hat auch gut geklappt", schätzt die Elternvertreterin ein. Doch nun lernen zweimal 28 Schüler in den ersten Klassen. Mehr geht nicht - auch von Gesetzes wegen.

Rechtliche Schritte bleiben noch

Die Kirchberger Lehrer haben während einer Demonstration in Dresden ihrem Ärger Luft gemacht. Nun legen die Eltern nach. Am Freitagfrüh hat die erste Klasse eine Unterschriftenliste übergeben. Anja Roocke wollte zum Abschlussfest am Freitagabend weitere Unterschriften sammeln. Ob es hilft - die Eltern müssen die Ferien abwarten. Sollte aber mit Beginn des neuen Schuljahres tatsächlich ein Klassenlehrer fehlen, gehen sie vielleicht einen Schritt weiter, sagt Anja Roocke. Schon jetzt möchten sie sich informieren, welche rechtlichen Möglichkeiten ihnen offenstehen. Die Bildungsagentur war am Freitagnachmittag nicht mehr erreichbar.

 
erschienen am 20.07.2012 ( Von Sara Thiel )
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