Am Start war Geduld gefragt: Aus Sicherheitsgründen durften die Motorradfahrer immer nur in kleinen Gruppen vom Platz rollen.
Foto: Andreas Wohland
Kirchberger Jubiläums-Konvoi schlägt alle Rekorde
Tausende Menschen haben am Wochenende den Auftakt der 800-Jahr-Feier miterlebt
Kirchberg. Die Organisatoren der 15. Kirchberg-Classics waren gut beraten, die Begrenzung der Teilnehmerzahl auf 700 Fahrzeuge diesmal zur Seite zu schieben. Stattdessen stellten sie das traditionsreiche Oldtimer-Treffen in Anbetracht des Stadtjubiläums unter das Motto "800 Fahrzeuge für 800 Jahre". Detlef Dix, bei dem von städtischer Seite die Fäden des Treffens zusammenliefen, konnte einen Teilnehmerrekord vermelden. "Geht es nur nach der Anzahl der gemeldeten Fahrzeuge, hätten wir sogar 810 Jahre Kirchberg feiern können. Auf alle Fälle sind so viele Oldtimer-Fans zu uns gekommen wie nie zuvor", sagte er.
Dabei dürfte die inoffizielle Zahl der Liebhaber betagter Autos, Motorräder und Mopeds locker die 1000er-Marke geknackt haben. Immer wieder schmuggeln sich nämlich zahllose "Schwarzfahrer" unter die registrierten Teilnehmer und nehmen an der Oldtimer-Ausfahrt teil. Ein paar Kilometer lang fahren sie im Pulk mit und genießen das Flair.
Bevor sich der Konvoi durch die Ortsteile der Sieben-Hügel-Stadt winden konnte, mussten Fahrer und Beifahrer eine gehörige Portion Geduld aufbringen. Aus Sicherheitsgründen wurden die Zweiradfahrer nur in Grüppchen vom Festgelände am Borberg gelassen. Die Wartenden harrten derweil in einer blauen Abgaswolke aus. "Kein Problem", sagte Ferdinand Junghans aus Chemnitz. "Was ein echter Oldtimerfreak ist, der genießt diesen Duft sogar. Was wäre so ein tolles Treffen ohne so ein unverwechselbares Aroma in der Luft?" Ähnlich sah es Classics-Neuling Bernd Jahnle aus Stuttgart. Er war auf Einladung des bekennenden Zwickauer Hanomag-Fan Peter von der Reithmit seinem Peugeot 504 nach Kirchberg gekommen. Nicht nur am Nummernschild prangte die 504. Der Stuttgarter durfte seinen fahrbaren Untersatz auch noch mit der Startnummer 504 schmücken. "Ich bin zwar viel auf Oldtimerveranstaltungen, aber das hier übertrifft doch vieles vom dem, das ich kenne. Besonders beeindrucken mich die vielen Marken aus dem Osten Deutschlands, die bei ähnlichen Treffen in meiner Heimatregion nicht zu finden sind", sagte er.
Dass betagte Technik nicht nur eine Sache ebenso betagter Zeitgenossen ist, bewiesen Anne (23) und Tobias Seltmann (24) vom Rot-Kreuz-Museum Beierfeld. Sie rückten mit ihrem Ford Transit, Baujahr 1975, und in historischen Rot-Kreuz-Uniformen an. "Wir sind hier das dritte Mal mit von der Partie und von der einzigartigen Atmosphäre absolut begeistert. Selbstverständlich reihen wir uns in den Konvoi ein, sind im Fall der Fälle sogar für Erste-Hilfe-Leistung ausgerüstet", sagte der 24-jährige Sanitäter.
Einige Classics-Teilnehmer nutzten das Treffen für einen Familienausflug. "Wir fahren zum zehnten oder elften Mal mit. Allerdings muss ich heute auf dem Sozius sitzen, weil mein Stammplatz im Beiwagen unseres BMW von unserem Sohn in Beschlag genommen wurde", sagte Antje Dienelt aus Stollberg.

