Von unten nach oben: Die Kletterhalle erstreckt sich über die gesamte Gebäudehöhe. Attraktion ist der Ausstieg aufs Dach. Das ermöglicht es Kletterern, mehrere Seillängen zu steigen oder von oben zu sichern.
Foto: Lars Rosenkranz
Kletterer erklimmen die Knopffabrik
Erster Abschnitt der Rundumsanierung abgeschlossen
Zwickau. Es ist gut zwei Jahre her, als Nico Götze (34) die Türen der Knopffabrik geöffnet hat, um seine Pläne für das denkmalgeschützte, gut 100 Jahre alte Industriegebäude vorzustellen. Er hatte damals noch keine Baugenehmigung, dafür Ärger mit Nachbarn und jede Menge Auflagen zu erfüllen. Aber er hatte eben auch eine Vision, die bröckelnde Fabrik zu sanieren und darin seinen Internetversandhandel für Bergsport und Freizeitausrüstung, Wohnungen und eine Kletterhalle unterzubringen. Arbeiten, wohnen, leben unter einem historischen Dach, nur einen Steinwurf vom Zwickauer Stadtzentrum entfernt heißt Nico Götzes Vision.
Am Dienstagabend ist der erste Teil dieser Vision Wirklichkeit geworden. Nico Götze hat die Kletterhalle in Betrieb genommen. Die befindet sich an der Stirnseite des Fabrikgebäudes und erstreckt sich vom Kellergeschoss bis hinauf aufs Dach. Dafür wurde der Ziegelbau komplett entkernt, alle Zwischendecken wurden entfernt und neue statische Elemente eingebaut. Die Kletterwände bestehen aus etwa 800 einzelnen Spanplatten, die nach einem 3-D-Entwurf einzeln angefertigt und wie ein Puzzle zusammengesetzt wurden. So entstehen künstliche Kanten, Verschneidungen und Überhänge. Ein Raster aus Gewindehülsen ermöglicht es, Klettergriffe an wechselnden Positionen zu platzieren. Etwa ein Dutzend Routen hatten zwei Dresdner Kletterer für die Einweihung geschraubt. Ende Januar sollen alle Routen komplett sein. Zwischen 13 und 22 Metern hoch geht es dann hinaus.
Bis Oktober will Nico Götze die Sanierung der Knopffabrik abgeschlossen haben. Etwa 3 Millionen Euro wird ihn die Verwirklichung seiner Vision dann gekostet haben. Fördermittel hat er zwar aufwändig beantragt, aber nicht bekommen, weil sich zwischenzeitlich die Richtlinie geändert hatte. "Darüber habe ich mich geärgert", sagt Götze. Er ist aber kein Typ, der sich von Ärger aufhalten lässt. Im Sommer soll der Internet-Versandhandel von Wilkau-Haßlau in die Knopffabrik umziehen. Dann werden auch die vier Wohnungen fertig sein, von denen eine vermietet ist, eine weitere fast.


