Konzert-Verbot verhallt ungehört
Gibt es Hoffnung für die Freilichtbühne? Chef der Kultour Z glaubt an Lösung - aber erst vor Gericht
Zwickau. Zwickau. Die Aussage zum Betrieb der Freilichtbühne ist eindeutig: Konzerte im Bereich Rock- und Popmusik sind "nicht zulässig". So hatte es das Landratsamt der Stadt Zwickau mitgeteilt. Schon im Januar 2010. Ob das Schreiben in der Stadt bekannt ist, fragte Linke-Fraktionschef Thomas Koutzky am Donnerstag zur Ratssitzung die Verwaltungsspitze. War es, sonst hätte der Stadtrat zwei Monate später nicht auf Empfehlung der Verwaltung beschlossen, die höheren Lärmwerte bei maximal sechs Veranstaltungen im Jahr in Kauf zu nehmen. Begründung: "Ein ausgesprochenes öffentliches Interesse." Damit glaubte sich Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) auf der sicheren Seite. Ein Anwohner aber sieht das anders und ging gegen die Baugenehmigung erfolgreich vor. Jetzt fehlt der Bühne die Betriebserlaubnis.
Für Jürgen Croy, Leiter der Kultour Z, gilt das Ganz-oder-gar-nicht-Prinzip. "Wenn wir eine Bühne betreiben, können wir keinen Filter vorschalten, dass wir fremdbestimmt werden, welche Veranstaltungen wir anbieten und welche nicht."Der Streit zwischen Stadt und dem Nachbarn reduziert sich auf die Frage, ob es auf der Freilichtbühne zu laut ist, oder ob der Geräuschpegel unter den Grenzwerten liegt. "Wenn die Stadt nachweist, dass diese Werte eingehalten werden, habe ich keine Handhabe", sagte der Mann am Freitag. Allein: Auf diesen Nachweis wartet die Landesdirektion noch immer. Und erst, wenn sie den in den Händen hält, wird sie entscheiden, was zu tun ist.
Jürgen Croy ist sicher, dass die Sache vorm Verwaltungsgericht Chemnitz landet. Der Leiter der Kultour Z, die die Freilichtbühne betreibt, geht davon aus, dass sich erst dort eine Lösung findet. Er sprach am Freitag von einem sozialverträglichen Interessenausgleich - ohne konkret zu werden. Der könnte jedoch so aussehen, dass die Stadt dem Kläger sein Haus abkauft. Das hat der Mann der Verwaltung angeboten, ohne einen Preis zu nennen. "Es geht erst einmal ums Grundsätzliche." Allerdings habe sich bislang keiner gefunden, der mit ihm reden würde, sagte er.
Indes lässt sich der Ansehensverlust nicht abwenden. Croy sprach von richtigen Krachern, die nun nicht stattfinden. Die Einnahmeverluste schätzt er auf eine fast sechsstellige Summe. Und: "Wird die Bühne nicht mehr genutzt, prophezeie ich, dass sie im Laufe der Jahre dem Verfall preisgegeben wird", sagte Croy. Bauliche Nachbesserungen im Sinne des Schallschutzes schloss er nahezu aus. "Wenn man dort ein Optimum herstellen will, müsste man eine Glocke drüberstülpen."
Der Stadt könnte weiterer Ärger drohen. Während der Ratssitzung am Donnerstag fiel öffentlich der Name des Klägers. Das hatte er verboten - nun will er eine Stellungnahme.
Von Sara Thiel


12:34 Uhr
Sven0: Man müsste eine Demo vor dem Haus dieser Person organisieren. Die Bühne steht seit den 50er Jahren und jetzt fällt dieser Person ein das es dort auch mal etwas laut werden könnte. Unverschämtheit!
12:04 Uhr
gelöschter Nutzer: Genaus so trisst sie es mit der Chemnitzer Freilichtbühe aus. Ich hab' da vor ein paar Tagen Fotos gemacht. Mit Graffitis beschmiert und die ehemaligen Sitzreihen sind mit Bäumen zugewachsen. Sieht so Chemnitzer Kulturleben aus?