Zur "aktiven Mittagspause" hatte am Mittwoch Simone Bovensiepen von der Gewerkschaft Verdi Mitarbeiter der Paracelsus-Klinik gerufen.
Foto: Marcus Richter
Krankenhaus-Personal fordert mehr Geld
Nächste Woche gehen Tarifverhandlungen für Paracelsus-Kliniken in die nächste Runde
Zwickau. 125 Euro oder 18,75 Euro. Dazwischen wird die Summe liegen, die eine Krankenschwester in der Zwickauer Paracelsusklinik künftig monatlich mehr auf dem Lohnzettel hat - sollten die Tarifverhandlungen zu einem Abschluss kommen. 125 Euro - das ist die Forderung der Gewerkschaft Verdi. 18,75 Euro- das sind umgerechnet jene 0,75 Prozent, die die Arbeitgeber bereit sind zu erhöhen, bezogen auf ein Bruttogehalt von 2500 Euro einer Krankenschwester. In der ersten Tarifrunde im November hatten sich die Verhandlungspartner nicht geeinigt, nächste Woche geht's in Osnabrück, dem Hauptsitz der Paracelsus-Kliniken, in die zweite Runde.
Auf die hofft auch David Händschken. Der 27-jährige Fallmanager hat sich am Mittwoch an der von Verdi organisierten "aktiven Mittagspause" vor der Klinik beteiligt, so wie 60 weitere Beschäftigte. Eine Protestform, die kein Streik ist, aber trotzdem Gelegenheit bietet, auf Defizite aufmerksam zu machen. Das seien in Zwickau zu wenige Pflegekräfte bei immer mehr Patienten, Überstunden und zu geringer Lohn, sagt Händschken, der seit 2005 in dem Zwickauer Haus arbeitet.
Gradmesser öffentlicher Dienst
Für das ehemalige Wismut-Krankenhaus gilt der Paracelsus-Konzerntarifvertrag. Dieser wiederum lehnt sich an den des öffentlichen Dienstes an. "Er ist aber auf dem Niveau von 2009 stehen geblieben", kritisiert Verdi-Sekretärin Simone Bovensiepen. Inzwischen ist der Tarif im öffentlichen Dienst um 1,5Prozent gestiegen. Auch ein höherer Nachtzuschlag werde gezahlt - eine zweite Verdi-Kernforderung für die Paracelsus-Kollegen. 20 Prozent sollte der Zuschlag auf das Stundenentgelt betragen, das Paracelsus-Angebot liegt bei 10 Prozent, ab 2014 bei 15Prozent. Wer aus der Freizeit zum Dienst geholt wird, sollte eine Pauschale von 50 Euro erhalten, sagt Bovensiepen. Das alles plus Aufstockung des Monatsgehaltes fordert Verdi rückwirkend zum Januar 2011, denn die Gewerkschaft hatte den bestehenden Tarifvertrag schon Ende 2010 gekündigt.
Der Zwickauer Verwaltungsdirektor Thomas Lippmann sitzt bei den Verhandlungen nicht am Tisch, das übernimmt die Unternehmensführung aus Osnabrück. Trotzdem ist ein Zwickauer dabei: Betriebsratsvorsitzender Manfred Steinchen ist Mitglied sowohl der Tarif- als auch der Verhandlungskommission. Seit zwei Jahren ist er freigestellt. "Vorher hab' ich den Betriebsrat nebenbei gemacht. Das geht jetzt nicht mehr. Das Chaos ist größer geworden." Mit Chaos meint er das Auflösen von Abteilungen und Aufhebungsverträge, mit denen Kollegen danach unglücklich gewesen seien.
Direktor: "Potenziale ausreizen"
Klinikchef Lippmann erklärt, dass Abläufe neu geordnet wurden, "um die Klinik auf wirtschaftlich gesunde Füße zu stellen". Aufhebungsverträge seien immer im Einvernehmen erfolgt. Das Zwickauer Haus, sagt Lippmann, schreibe keine roten Zahlen, "muss aber Potenziale ausreizen, um langfristig im Wettbewerb zu überleben". Nina Knauer, Sprecherin des Haupthauses in Osnabrück, begründet das 0,75-Prozent-Angebot mit "der allgemeinen wirtschaftlichen Lage und Entwicklung in der Gesundheitswirtschaft".
Von den 330 Paracelsus-Beschäftigten in Zwickau sind 60 Gewerkschafts-Mitglied. Von ihrer aktiven Mittagspause kehrten sie am Mittwoch nicht hungrig an den Arbeitsplatz zurück: Es gab Wiener Würstchen.


