Stolz präsentiert Henry Kunz, die als Comic gezeichnete Geschichte vom Fund seines Luftballons und der Reise nach Südafrika. Auch seinen zerplatzten Ballon mit der angehängten Botschaft hat er aus Kapstadt per Post zurückbekommen. Stolz präsentiert Henry Kunz, die als Comic gezeichnete Geschichte vom Fund seines Luftballons und der Reise nach Südafrika. Auch seinen zerplatzten Ballon mit der angehängten Botschaft hat er aus Kapstadt per Post zurückbekommen.

Foto: Marcus Richter

Luftballon kommt aus Südafrika per Post

Wildenfelser Junge hatte Botschaft per Luftpost versendet

Wildenfels. Nachdem Henry Kunz im vorigen September zum Tag der offenen Tür in der Fremdsprachen-Kindertagesstätte "Rainbow" in Wildenfels seinen blauen Luftballon mit angehängter Botschaft in den Himmel geschickt hatte, war er erst einmal ein wenig traurig. "Während die Ballons der anderen Kinder weit weg flogen, hatte sich seiner in einer Fichte verfangen", erzählt Mutter Romy Kunz. "Doch als wir später vom Fest nach Hause gegangen sind, haben wir noch einmal nach oben geguckt. Der Ballon war weg. Der Wind hatte ihn wohl aus den Ästen befreit."

Alle Ballons trieben damals in Richtung Dresden. Und dann hörten die Mädchen und Jungen erst einmal lange nichts. Im Oktober allerdings bekam die kleine Lena, die wie Henry die Bienchengruppe besucht, Post aus Pirna an der Elbe. Ein älterer Herr, der mit seinem Hund spazieren war, hatte ihren Ballon gefunden und ihr geschrieben. Das Mädchen machte sich danach sogar mit ihren Eltern nach Pirna auf und besuchte den Finder.

Henry ärgerte sich damals ein bisschen. Seinen Ballon hatte wohl niemand gefunden. Dann vergaß er die ganze Sache. Doch jetzt erlebte der Sechsjährige eine große Überraschung. Die Leiterin seiner Kindertagesstätte, Angela Kögler, überreichte ihm einen großen Brief mit den Worten: "Henry, Du hast Post aus Südafrika." Der kleine Wildenfelser staunte nicht schlecht, als er in dem dicken Umschlag seinen zerplatzten blauen Luftballon sowie die daran angehängte laminierte Karte mit seinem roten Handabdruck, seinem Namen und der Adresse vom Kindergarten fand.

Und auch seine Mutter war überrascht, als ihr Erzieherin Christel Heß den Umschlag überreichte, als sie ihren Sohn nachmittags aus dem Kindergarten abholte. "Es ist schon toll, wenn so ein Ballon um die 100 Kilometer weit fliegt und dann auch noch gefunden wird. Aber nach solch einer Luftballonaktion Post aus Südafrika zu bekommen, damit rechnet wohl niemand", sagt sie. "Und dann hat sich der Mann noch so eine Mühe gemacht."

Geschrieben hat Dion Rossmeisl aus Kapstadt. Er berichtet in seinem auf Englisch geschriebenen Brief, dass er mit seiner Freundin Sabine am 22. Februar bei eisigen Temperaturen in der Nähe von Pirna entlang der Elbe Rad gefahren ist. An einem zugefrorenen Bach schoben die beiden ihre Fahrrader über einen Waldweg und gelangten immer weiter hinein in den Wald. Es wurde schon dunkel. Im Schein seiner Stirnlampe entdeckte der Mann dann zwischen dem Laub am Boden eine rote Hand. Er folgte dem orangefarbenen Band und fand die Überreste eines blauen Luftballons.

Und als der Finder den Zettel mit der roten Hand umdrehte, las er den Namen Henry sowie die Adresse der Wildenfelser Kindertagesstätte. Allerdings lief sein Arbeitsvertrag in Deutschland gerade aus. Er musste sich von seiner Freundin, die in Pirna wohnt, erst einmal trennen und nach Kapstadt zurückfliegen. Den Fund nahm er aber mit.

Zu Hause angekommen, informierte sich Dion Rossmeisl im Internet über den deutschen Kindergarten und erfuhr, dass die Steppkes dort Englisch lernen. Der Südafrikaner zeigte sich begeistert von dem, was er dort las und auf den Bildern sah. Weil sein Deutsch nicht so gut ist, schrieb er den Brief nach Wildenfels auf Englisch. Da aber Henry erst dieses Jahr zur Schule kommt und noch nicht lesen kann, erzählt der Kapstädter auf drei Seiten anhand eines gezeichneten Comics den Radausflug, den Fund des Ballons sowie seine weite Reise nach Südafrika.

Henry schaut sich die Bilder immer wieder gern an und zeigt sie stolz auch der Reporterin und dem Fotografen der "Freien Presse". Seine Eltern haben sich inzwischen bei Dion Rossmeisl für die Post bedankt. "Jetzt sind wir dabei, selbst einen Brief zusammenzustellen", sagt Romy Kunz. "Wir wollen dem freundlichen Fremden, über den wir bisher kaum etwas wissen, Bilder von Henry und unserer sechsköpfigen Familie sowie dem Kindergarten schicken." Außerdem nehmen die Eltern Kontakt zur Wildenfelser Ortschronistin Monika Badock auf, um auch Interessantes zur Geschichte der 1233 gegründeten Schlossstadt mit in den Brief legen zu können.

Dass die Familie gern von der Ferne träumt, zeigen hölzerne Wegweiser hinterm Haus an der Wiesenstraße. Dort ist unter anderem zu lesen: Moskau 1749 km, New York 6275 km und Tokio 9124 km. "Jetzt werden wir wohl in unserem kleinen Garten noch einen Wegweiser anbringen, auf dem steht: Kapstadt 9435 Kilometer", sagt Henrys Vater Andreas Kunz.

 
erschienen am 25.05.2012 ( Von Viola Martin )
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