Männer mit Benzin im Blut zeigen heiße Öfen
Rennsport-Ausstellung im Herrenhaus Vielau wird am Sonnabend eröffnet - Themen reichen von Motorbootrennsport bis Rallye
Vielau. Vielau. Erst war die Idee da und dann so viel Material, dass die Rennsport-Ausstellung im Vielauer Herrenhaus locker hätte doppelt so groß sein können. Am Sonnabend, 14.30 Uhr, wird die Exposition eröffnet. Eines steht jetzt schon fest: Die Präsentation haben Leute mit Benzin im Blut vorbereitet. Die werden die Eröffnung sogar mit alten Filmen von Rennsportveranstaltungen aus DDR-Zeiten würzen.
Ein Großteil der Leihgaben stammt vom Motorsportclub Zwickau, anderes von Reinsdorfer Privatiers. Auch ein Teil des Nachlasses von Albert Schuster, der im Heimat- und Bergbaumuseum in Reinsdorf beheimatet ist, zieht für die Ausstellung um. Am Freitag rollt der Formelwagen vom Cunersdorfer Rennteam Klaus Ostermann an, der ab Sonnabend Besucher in den Pavillon am Herrenhaus locken wird. Auf den letzten Drücker werden auch noch einige Maschinen angeliefert, die einst im Motorradstraßenrennsport ihren Gummi in den Asphalt brannten. Schon aufgebockt ist die alte Simson RS 81, mit der Jürgen Hofmann - zweimal Zweiter und viermal Dritter der DDR-Meisterschaft in der 125er Klasse - 1988 erstmals Europameisterschaftpunkte für den DDR-Straßenrennsport kassierte. Hofmann fuhr damit in Most auf den 6. Platz. Erste Plätze gab es mit der 80-Kubikzentimeter-Maschine außerdem auf dem Sachsenring, zum Eröffnungsrennen des neuen Grand-Prix-Kurses in Brno und auf dem Frohburger Dreieck. Der Einzylinder-Zweitakter drehte bis 15.500, das reichte für Maximaltempo 200. Die Konstruktion hat Doppelrahmen, Scheibenbremsen und Magnesiumguss-Laufräder. Unter Bernd Göpfert, dem die Maschine gehört, wurden zwischen 1980 und 1990 sechs Baureihen in den Hubraumklassen 50, 80 und 125 Kubikzentimeter für die Suhler Zweiradschmiede entwickelt.
Das Spektrum der Ausstellungsstücke reicht darüber hinaus vom Motorbootrennsport bis zur Rallyesparte. Zu sehen ist beispielsweise der alte DDR-Reisepass, den Christian Meischner brauchte, als er ins kapitalistische Ausland reiste, um auf dem Boden des Klassenfeindes mit dem Trabant 601 den Boliden der Rallye Monte Carlo Paroli zu bieten. Das obligatorische Schild mit der Startnummer 68, das die Stoßstange der Rennpappe damals zierte, liegt ebenso mit aus. Plaketten, Siegerkränze, Pokale, jede Menge Fotos, sogar selbst gefertigte "Gebetsbücher", quasi die handgeschriebenen Streckenpläne der Rallye-Co-Piloten, werden die Blicke der Besucher anziehen. Wie damals eine Fahrerlizenz aussah, zeigt das Dokument von Joachim Anger.
Spannend dürfte die Eröffnungsveranstaltung allemal werden. Denn sämtliche Leihgeber der Ausstellungsstücke sind eingeladen. Und die alten Hasen haben in der Regel allerhand zu erzählen, meist Anekdoten, die den Rennsportalltag auch mal von der heiteren Seite beleuchten. Wem bei dem Rennsportmarathon nach geraumer Zeit der Sprit ausgeht, der kann mit dem letzten Tropfen hinterm Herrenhaus beim Vielauer Frühlingsfest auf die Zielgerade einbiegen.


