Rund 800 Gäste waren am Samstag zur Party auf die Freilichtbühne gekommen. Stimmung gab es, auch wenn das Oval nicht gefüllt war. Dafür sorgte unter anderem Sänger Michael Morgan. 
Rund 800 Gäste waren am Samstag zur Party auf die Freilichtbühne gekommen. Stimmung gab es, auch wenn das Oval nicht gefüllt war. Dafür sorgte unter anderem Sänger Michael Morgan.

Foto: Marcus Richter

Misstöne - aber Mallorca-Fans feiern

800-köpfiges Publikum hat sich auf Freilichtbühne ein wenig Ballermann-Atmosphäre gegönnt - Nachbar Jens Schmitt bezeichnete das als ganz bitter

Zwickau. Fast 1500 Kilometer Luftlinie von der Ferieninsel Mallorca entfernt, erlebten die Besucher unter dem Motto "Voll auf die Mütze" ihre persönliche Malle-Party. "In Anbetracht des unbeständigen Wetters, das aber glücklicherweise ausgehalten hat, können wir mit der Zuschauerresonanz zufrieden sein", sagte Kultour-Z-Geschäftsbereichsleiter Jürgen Flemming. Erstaunt zeigte er sich über die Zusammensetzung des Publikums, das von Halbwüchsigen bis hin zu Senioren reichte.

Kleingärtner hören heimlich mit

Einer aus der Schar der Gäste hatte einen besonderen Grund zum Jubeln: Ronny Förster aus Schedewitz. Er nutzte das Open-Air, um mit Freunden seinen 39. Geburtstag zu feiern und durfte sich dabei auch noch über ein vielstimmiges "Happy birthday" der anderen Partygäste freuen. "Es passt hier einfach alles zusammen, und ist absolute Spitze. Wenn es nach mir ginge, müsste das mit der Freilichtbühne auch in Zukunft so weitergehen", sagte er.

Jessica Schreiber (28) war mit ihrer sechsköpfigen Mädchen-Clique aus Rochlitz nach Zwickau gekommen. "Einen gemeinsamen Trip nach Malle können wir nicht unternehmen. Da ist so eine Open-Air-Party eine gute Alternative. Hoffentlich geht es mit dieser Freilichtbühne weiter", sagte sie.

Damit solche Wünsche in Erfüllung gehen können, war am Sonnabend mit Lothar Förster extra ein Sachverständiger für Schallimmissionsschutz angereist. Schon während des Soundcheck kurz nach dem Mittag nahm er gemeinsam mit seinem Mitarbeiter Jürgen Wolgast die ersten Messungen vor und legte damit die Vorgaben für die Einstellung der Tontechnik fest. Dazu Jürgen Flemming: "Derartige Lärmmessungen sind als Nebenbestimmung in der Baugenehmigung für Veranstaltungen aufgeführt, die nach 20 Uhr enden. Wir werden uns ganz genau an Vorgaben halten."

Kleingärtner in der benachbarten Gartenanlage fühlten sich von der Musik nicht gestört. Im Gegenteil. "Wir haben gegrillt. Ob wir dazu nun Musik von einer CD anhören oder heimlich bei der Veranstaltung auf der Freilichtbühne mit dabei sind, ist uns eigentlich egal. Wir warten jetzt noch den Auftritt von Chris Roberts ab, dann packen wir ohnehin zusammen", sagte einer der Spatenkämpfer.

Lärmmesser zeigt sich zufrieden

Noch am Samstagabend konnte Lärmexperte Lothar Förster ein vorläufiges Fazit ziehen. "Das erste Zwischenergebnis nach 30 Minuten Messzeit nach 20 Uhr sagt, dass wir wesentlich unterhalb der zulässigen Lärmwerte liegen. Wenn der Veranstalter sich bis zum Ende an dieses Geräuschniveau hält, dürfte es keine Probleme geben."

Das sieht Nachbar Jens Schmitt anders. Er bezeichnete das Erlebnis vom Samstag als ganz bitter. Da die Tonproben bereits 13.30 Uhr begonnen hätten, sei an Mittagsschlaf nicht zu denken gewesen. Den Geräuschpegel am Nachmittag und am Abend beschrieb er als so laut, dass er weder lesen noch Musik hören konnte. Das war aber nur die eine Seite der Medaille. "22.12 Uhr habe ich die Polizei gerufen. Die hatte eine Stunde zu tun, ehe wieder Ruhe war." Schmitt berichtet von Randalen und Pöbeleien auf seinem Grundstück. "Eben alle üblichen Freundlichkeiten." Schließlich sei er 4.44 Uhr wieder geweckt worden. "Wahrscheinlich haben die zu dieser Zeit schon angefangen, die Bühne abzubauen", sagte er am Sonntag.

Polizei bestätigt Einsatz

Die Polizei hat den Einsatz vom Samstagabend bestätigt. "Herr Schmitt hat bei uns angerufen und mitgeteilt, Besucher würden an seiner Tür klingeln und Knaller werfen. Die Kollegen waren dort, konnten aber keine Pyrotechnik beziehungsweise Spuren davon feststellen", hieß es aus dem Lagezentrum.

 
erschienen am 14.08.2011 ( Von Andreas Wohland (mit sth) )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
3
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  • 15.08.2011
    19:35 Uhr

    enzikat: Die Freilichtbühne besteht schon seit ewigen Zeiten. Als Herr Schmitt sein Haus bauen ließ, wußte er, dass diese Bühne bespielt wurde. Sich nun zu beschweren, es wäre zu laut, ist schwachsinnig. Schade, dass so ein "Herr" unsere Gerichte belästigt und somit auch Steuergelder verschwendet werden.

    0 1
     
  • 15.08.2011
    15:57 Uhr

    gelöschter Nutzer: Ich bedaure auch die Problematik um die schöne Freilichtbühne. Aber ich habe auch Verständnis für Herrn Schmitt, denn es wird von den meisten Mitmenschen leider gern übersehen, dass die Anwohner bereits vor Veranstaltungsbeginn mehrere Stunden Aufbau und SoundCheck und dann die Veranstaltung selbst bis zur letzten Minute ertragen müssen, ganz abgesehen vom individuellen Musikgeschmack. Die meisten Menschen kommen kurz vor Veranstaltungsbeginn und gehen dann, wenn es ihnen zu viel ist, nach Hause. Auch die Kleingärtner "packen dann zusammen" und haben dann ein ruhiges Zuhause. Das ist allen Anwohnern von Veranstaltungsplätzen, auf denen leider immer öfter sinnlos Lärm gemacht wird, nicht möglich! Ruhe war irgendwann einmal die erste Bürgerpflicht! Das sollte es auch wieder werden!
    Ich hoffe, man findet einen Kompromiß, mit dem beide Seiten gut leben können!

    1 0
     
  • 15.08.2011
    14:23 Uhr

    gelöschter Nutzer: Der einzige, der hier pöbelt ist Herr Jens Schmitt. Wahrscheinlich geht dieser Herr zum Lachen in den Keller, weil es da so schön leise ist und er keinen stört. Vielleicht sollte er dort bleiben und seine "Freundlichkeiten" dort weiterhin ausleben.
    Ich finde es einfach schlimm, wie man so mißgünstig sein kann und man mit allen Mitteln versucht, den Leuten ein bisschen Spaß am Nachmittag/Abend zu vermießen.

    0 0
     
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