Das erste der Kress-Modehäuser am Flugplatz wird noch länger allein auf weiter Flur stehen.
Foto: Ralph Köhler
Modekress in Zwickau: Rathauschefin enttäuscht ihren Rathausmieter
Unternehmer spricht nach dem Aus für das Handelsgebiet an der Reichenbacher Straße über seine weiteren Pläne
Zwickau. Nach dem Aus für das Handelsgebiet an der Reichenbacher Straße steht Investor Rainer Kress mit leeren Händen da. Jetzt erhebt er Vorwürfe gegen Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD). Sara Thiel hat mit dem Unternehmer über seine Enttäuschung und weitere Pläne gesprochen.
Freie Presse: Wie haben Sie die Entscheidung des Stadtrates aufgenommen, den Bebauungsplan für das Handelsgebiet an der Reichenbacher Straße abzulehnen?
Rainer Kress: Ich bin sehr enttäuscht, denn ich habe einen städtebaulichen Vertrag, den die Oberbürgermeisterin unterschrieben hat. Außerdem gibt es von 2010 einen Stadtratsbeschluss zur Aufstellung des Bebauungsplanes. Pia Findeiß hatte mir Unterstützung zugesagt - bis sie sich um 180 Grad gedreht hat.
Freie Presse: Inwiefern?
Rainer Kress: ISie hat während des Spieles die Regeln geändert, indem sie zehn Monate nach dem Stadtratsbeschluss das Einzelhandelskonzept vorgelegt hat. Ich sehe darin provinzielles Denken: Man kann nicht planen, um einzelne Händler in der City vor Konkurrenz zu schützen. Nicht zuletzt haben wir selbst die Innenstadt aufgewertet, indem wir uns dort engagiert haben.
Freie Presse: Haben Ihre Entscheidung, im Rathaus ein Modehaus zu eröffnen, und Ihre Baupläne an der Reichenbacher Straße etwas miteinander zu tun?
Rainer Kress: IAn sich sind das separate Entscheidungen. Aber wenn man so etwas macht, erwartet man eine positive und offene Zusammenarbeit. Dieses Vorgehen wird nun auch andere Investoren nachdenklich machen.
Freie Presse: Sie sind seit mehr als zwei Jahren mit dem Vorhaben an der Reichenbacher Straße beschäftigt. Ist Ihnen durch den Ratsbeschluss ein Schaden entstanden?
Rainer Kress: IEin erheblicher. Ich musste den Zehn-Jahres-Vertrag für die große Halle auf dem Gelände kündigen. Sie wird als Lager genutzt. Ich hatte hohe Kosten für den Abbruch von Industriebrachen - schön für die Stadt, dass die Ruinen beseitigt sind. Zudem bezahlte ich fünf Gutachten, die alle für das Vorhaben sprechen. Und ich habe kostenlos Flächen übertragen, damit die Kreuzung Reichenbacher/Olzmannstraße ausgebaut werden kann. Ich hoffe, die Stadträte sehen ein, dass auf diese Art Investoren verschreckt werden.
Freie Presse: Es gab aus dem Wirtschafts- und Umweltausschuss den Vorschlag, aus dem geplanten Handels- ein Gewerbegebiet zu machen. Könnten Sie damit leben?
Rainer Kress: IDas würde eine Abwertung des Grundstückswertes bedeuten.
Freie Presse: Wie geht es jetzt weiter?
Rainer Kress: IWir werden in Ruhe überlegen und uns mit unseren Partnern absprechen. Es kann sein, dass sie jetzt hinschmeißen. Den Sportartikelhändler Decathlon möchte die Stadt an eine andere Stelle umsiedeln. Aber die Leute von Decathlon sind stocksauer, die fühlen sich an der Nase herumgeführt. Sie werden Zwickau nicht hinterherlaufen. Wir wollen ein verändertes Konzept vorlegen und mit Interessenten reden, auch mit Stadträten. Sie müssen begreifen, dass sie über den Tellerrand hinausschauen müssen.
Freie Presse: Wie bewerten Sie das Argument, der Landesdirektion, dass dieses Handelsgebiet sowieso nicht genehmigungsfähig ist?
Rainer Kress: IZwickau ist ein Oberzentrum. Das entscheidet die Stadt doch allein.


22:49 Uhr
Zwickauer1982: Sportgeschäfte wie sie in der Innenstadt vorhanden sind werden machen ihren Umsatz eh nur durch Laufkundschaft. Wenn man speziell ein Sportgeschäft aufsuchen will wählen die meisten (schon wegen den Parkgebühren und dem größerem Angebot) die Filialen im Umland, was besonders ein Geschäft betrifft (Wilkau-Haßlau). Kaufkraft aus dem weiterem Umland kommen kaum nach Zwickau, sondern wählen Sportgeschäfte in ihrer Umgebung. Fast jede kleinere Stadt im Umland hat so ein kleines Sportgeschäft. Deacthlon als riesiger Sportdiscounter würde wenn dann den Umsatz im Umland schädigen, nicht aber den von Zwickaus Innnenstadtgeschäften. Mit über 100.000 voraussichtlichen Kunden würde Zwickau gut dastehen, da einige von diesen vielleicht nach oder vor ihrem Besuch im neuen Einkaufszentrum auch mal in der City vorbeischauen würden. Wenn Zwickau als Oberzentrum mit Chemnitz mithalten will brauchen wir solche Einkaufszentren!