Steffen Winkler und Hans Nenzing (vorn von links) sowie Martin König (hinten) von einer Spezialfirma aus Wien erneuern zurzeit die 18 Jahre alte Rechentechnik für den Betrieb des Moseler B-93-Tunnels.
Foto: Marcus Richter
Moseler Tunnel bekommt neues elektronisches Herz
Moderne Rechentechnik entwickelt
Zwickau. Dichter, zäh fließender Verkehr wälzt sich durch Mosel. Die Autos und Laster, die sonst im B-93-Tunnel unter dem Zwickauer Ortsteil hindurchbrausen, werden durch den Ort umgeleitet, weil beide Röhren bis Montag, 5 Uhr, dicht bleiben.
"Wir haben die Umleitung gut ausgeschildert, Ampelphasen geändert und zwei Ampeln ausgeschaltet, um den Verkehr möglichst flüssig zu halten", sagt Andreas Colditz, Referatsleiter Verkehrstechnik im Straßenbauamt Chemnitz. "Je nach Verkehrsaufkommen, gibt es trotzdem ab und an kleine Staus. Aber im Großen und Ganzen rollt der Verkehr."
Während viele ausgebremste Autofahrer über die Umleitung fluchen, wird in einem kleinen, unscheinbaren Gebäude neben der Unterführung fieberhaft gearbeitet. Dort befindet sich das elektronische Herz des Tunnels. Das schlug seit der Eröffnung der beiden Röhren 1993. "Mit 18 Jahren war die Anlage völlig überaltert. Es ist jetzt höchste Zeit, dass wir sie erneuern", sagt Colditz. "Wir haben extra die Aufträge dafür gesplittet. So können mehrere Firmen gleichzeitig arbeiten. Das spart Zeit. Außerdem wurden ganze Baugruppen vormontiert, um die Installation der neuen Technik zu beschleunigen."
Gewechselt werden Leitrechner, Verkehrs- und der Lichtrechner sowie alle Streckenstationen. Die erneuerten Geräte arbeiten danach mit aktueller Software. "Im Leitrechner laufen alle Informationen ein und werden verarbeitet. Wenn zum Beispiel die Kohlendioxid-Konzentration in einer Röhre steigt, startet er die Lüfter. Diese gehen auch in Betrieb, wenn die Sichttrübungsanlage entsprechende Signale sendet. Bei kritischen Werten sperrt der Rechner sogar den Tunnel per elektronischer Anzeigetafel und sendet diese Information an die Rettungsleitstelle, genau wie Brandmeldungen und Notrufe", erläutert Colditz.
Eine andere Firma wechselt die Induktionsschleifen unter der Fahrbahn vor und nach dem Tunnel. Diese erfassen, wie viele und welche Fahrzeuge - ob Auto, Laster, Moped oder Motorrad - in welcher Spur die Röhren passieren. Auch die Kabel zu den anderen Messinstrumenten werden erneuert. "Die Arbeiten kosten eine sechsstellige Summe", sagt Colditz. "Ein Blitzer wird aber nicht eingebaut."
Genutzt wird die Sperrung außerdem für eine Bauwerkshauptprüfung, die nicht bei laufendem Verkehr möglich ist. Der Landkreis nimmt die Gelegenheit wahr und bessert den Straßenbelag in Richtung Zwickau aus. Und die Bahn dichtet ihre Brücke über dem Tunnel ab, so lange keine Fahrzeuge durch die Unterführung rollen.


