Drei der Kinder von Jens und Mirjam Gollner aus Stangendorf gehen bereits zur Schule. Es sind (auf der Decke von rechts) Tobias, Hannes und Anna. Der Ranzen des Mädchens gehörte vorher Hannes. Josua (rechts) wird nächstes Jahr eingeschult. Felix (auf der Schaukel) und Leon (auf Muttis Schoß) haben noch länger Zeit. Drei der Kinder von Jens und Mirjam Gollner aus Stangendorf gehen bereits zur Schule. Es sind (auf der Decke von rechts) Tobias, Hannes und Anna. Der Ranzen des Mädchens gehörte vorher Hannes. Josua (rechts) wird nächstes Jahr eingeschult. Felix (auf der Schaukel) und Leon (auf Muttis Schoß) haben noch länger Zeit.

Foto: Ralph Köhler

Neues Schuljahr beginnt für ganze Familie

Am Montag starten nicht nur die drei Schüler der Großfamilie Gollner wieder in den Alltag

Stangendorf. Der Schulalltag hat Anna, Hannes und Tobias Gollner wieder. Ab Montag klingelt der Wecker um sechs Uhr. Fürs Herumtoben bleibt dann weniger Zeit. Sprangen die Geschwister in den Ferien auf dem Trampolin im Garten herum, so sieht der Lehrplan Ausdauerläufe vor. Auf die gemeinsamen Rollenspiele folgen nun Aufsätze.

Anna ist acht, Hannes elf und Tobias 13. Die Schulkinder wachsen mit dem fünfjährigen Josua, dem zwei Jahre alten Felix und Säugling Leon (vier Monate) auf. Mit ihren Eltern Jens und Mirjam Gollner bewohnen sie ein Eigenheim in Stangendorf. Hannes war vier Wochen alt, als es fertig war.

Die Mutter lädt das Auto voll

Die Mutter ging in Mülsen in die gleiche Schule wie die beiden Ältesten, die jetzige Jakobus-Mittelschule. "Bei einigen Lehrern hatte ich selbst Unterricht", sagt sie. Und erinnert sich gern daran, wie sie dem Klassenkasper den Stuhl unterm Hintern weggezogen hat. Inzwischen hat die 34-Jährige sechs Kinder zur Welt gebracht. Spätestens am Montag taucht sie zum x-ten Mal als Mutter in den Schulalltag ein.

Organisation ist dabei alles: Anna muss um 7.15 Uhr aus dem Haus. Zum neuen Schuljahr steht ein Wechsel bevor: Ihre evangelische Schule zieht aus Platzgründen von Wilkau-Haßlau nach Cainsdorf. Die Zweitklässlerin wird für die Hintour den Bus nehmen. Den Rückweg wollen die Eltern in Fahrgemeinschaften absichern - Mirjam Gollner ist eine der Kinderchauffeure. Hannes und Tobias bewältigen den Schulweg mit dem Rad. Sie sind etwa 14.15 Uhr daheim.

Anschließend gewährt ihnen ihre Mutter eine kurze Pause. Bis sie mit Anna und den Jungs ernst macht: "Ich achte darauf, dass die Schularbeiten bis 16 Uhr erledigt sind." So schafft es Hannes zum Fußballtraining um halb fünf. Sein Trainer ist zugleich sein Sportlehrer. Kürzlich hat Hannes seiner Schwester die Sporttasche vermacht. Und den Ranzen, "weil ich selbst einen größeren brauchte". Hannes trägt mitunter Kleidung von Tobias weiter. "Ich nehme aber nicht alles von ihm", betont er selbstbewusst.

Die Brüder sind von nun an Klassenkameraden in der "Sechsten". Dem zwei Jahre älteren Tobias fällt das Lernen schwerer als Hannes: Vor Klassenarbeiten hilft ihm Opa Friedhold. "Ich lese ihm dafür aus Büchern vor", sagt Tobias Gollner. Gern würde der talentierte Koch und Bäcker mit Anna auf die Cainsdorfer Schule gehen, aber dort gibt es keinen Mittelschulzweig.

Nachhilfe in Mathe und Deutsch erteilt dem Schülertrio auch Vater Jens, der im Ort als Schlosser arbeitet. Ebenso fungiert Anna als Lehrerin: Die Leseratte bringt Josua gerade das Abc bei. Dabei wird der Knirps erst nächstes Jahr eingeschult. Zuvor kommt der Junge im Herbst in den Kindergarten in Micheln - zusammen mit Bruder Felix. Beide haben einen Ganztagesplatz. Dank der langen Kita-Öffnungszeiten wird es für Mirjam Gollner selbst dann nicht eng, wenn sie Anna und deren Klassenkameraden in Cainsdorf von der Schule abholen muss.

Dem kleinen Josua wollten die Eltern Zeit für seine Entwicklung geben. Er blieb deshalb länger zu Hause. Nun kann er es kaum erwarten, dass es 2013 bei den ganz Großen losgeht: "Ich freue mich auf alle Fächer." Und auf die Zuckertüte sowieso. Es ist Usus bei Familie Gollner, dass diese nicht von Kind zu Kind wandert, sondern jedes seine eigene erhält. Zum Teil sind die Schmuckstücke selbst gebaut.

Kinder sollen Kinder bleiben

Nur für eines der sechs Kinder der Familie aus dem Mülsengrund ändert sich zum 3. September nichts: Klein-Leon wird auch noch im Stubenwagen liegen, wenn die Blätter fallen. So lange kann die Mutter mit der Besorgung der letzten Lehrmaterialien nicht warten. Dabei zeigt sich erst in der ersten Schulwoche, was die Kinder brauchen, sagt Mirjam Gollner. Sicher sei, dass Hefter und Hausaufgabenhefte dazu gehören. "Schreibblöcke haben wir noch in den Beständen", lacht die gute Seele des Hauses, die nie den Überblick verliert. Ihr Tag ist lang: Erst am Abend um halb neun sind die Großen im Bett verschwunden. Auch die Schulschnitten werden geschmiert, wenn es dunkel wird.

Bezogen auf ihr "Familienunternehmen" ist der früheren Arzthelferin wichtig, dass die Kinder im Leben selbstständig klar kommen. Deshalb gibt es daheim einen Wochenplan: Josua ist der Nudelwurstschneider, während Anna die Wäsche aufhängt. "Die Schule ist nicht das Maß aller Dinge", sagt auch Familienoberhaupt Jens Gollner. Und der 40-Jährige fügt hinzu: "Ich messe meine Kinder nicht an Zensuren. Kinder dürfen Kinder bleiben."

 
erschienen am 31.08.2012 ( Von Matthias Nicko )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
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  • 01.09.2012
    19:04 Uhr

    unwichtig: Alle Kinder dieser Erde sollten glücklich sein - sie sind gleich - wo immer auch ihr Weg beginnt.

    "Das Kind soll spielen, es muss Erholungsstunden haben, aber es muss auch arbeiten lernen." - Immanuel Kant

    0 1
     
  • 01.09.2012
    07:34 Uhr

    gelöschter Nutzer: Das ist wirklich eine tolle Familie. Normalerweise schaut man ja schon etwas irritiert, wenn eine Familie aus mehr als 3 Kindern besteht. Aber bei so einem netten Haufen gibt es mit Sicherheit keine bösen Blicke. Der Vater bringt es auf den Punkt: Kinder dürfen Kinder bleiben.

    Viele Kinder benehmen sich häufig viel zu früh "erwachsen", werden von den Eltern und ihren hohen Erwartungen auch dazu getrimmt. Kinder sollten aber spielen, raufen, lachen können, so lange es möglich ist. Erwachsen werden sie noch früh genug.

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