Rolf Kluttig (links) aus Dresden verfügt über eine umfangreiche Sammlung ostdeutscher Bieretiketten. Am Stand von Norbert Knorr aus Colmnitz war er auf der Suche nach weiteren Exemplaren.
Foto: Marcus Richter
Nicht alle Sammler trinken Bier
Brauereisouvenir-Jäger treffen sich zum 14. Mal - Kein kühles Blondes mehr: Rolf Kluttig will Gewicht halten
Zwickau. Zwickau. Das Klubhaus Sachsenring war am Sonnabend zum 14. Mal Treffpunkt für Sammler, deren Herz für alles schlägt, was mit Bier und Brauereien zu tun hat. An 100 Tischen konnten sie nach Lust und Laune in einer schier unbegrenzten Auswahl an Kronkorken, Bierdeckeln, Etiketten, Gläsern und Bügelflaschen stöbern.
Wer allerdings glaubte, jeder der Anwesende sei auch ein Genießer des gelben Gesöffs, war auf dem Holzweg. Beispiel: Rolf Kluttig aus Dresden. Noch bis vor zwei Jahren ein eingefleischter Biertrinker, hat der 50-Jährige inzwischen dem Gerstensaft abgeschworen. Unter anderem, um sein Gewicht besser in den Griff zu bekommen. "Dabei ist es weniger das Bier, das für zusätzliche Pfunde sorgt, sondern viel mehr der Appetit auf Essen, den es verursacht", sagte er. Seiner Begeisterung für Brauereiartikel hat das jedoch keinen Abbruch getan.
Rolf Kuttig, der dem Freundeskreis Brauereigeschichte Dresden/Ostsachsen angehört, verfügt über eine umfangreiche Sammlung ostdeutscher Bieretiketten. Umfangreich bedeutet ihn seinen Augen locker mal 35.000 verschiedene Exemplare. "Nicht, dass es hier im Osten so viele Brauereien und Biersorten gegeben hat oder gibt. Interessant sind für mich die Abweichungen auf den Etiketten. Entweder durch Änderungen beim Alkoholgehalt oder bei der Firmenstruktur. So kann es durchaus sein, dass ein anscheinend gleiches Etikett im Verlauf von einem Jahrzehnt bis zu 15-mal verändert wurde und so auch ein wenig Zeitgeschichte widerspiegelt", erklärte er. Eine "Kapitalanlage" sei aus seiner Sicht das Sammeln von Brauereiartikeln allerdings nicht, sondern reine Liebhaberei.
Genauso sah das auch Reiner Scholz aus Hof. "Für mich ist es ein reines Hobby. Ich freue mich, wenn ich meiner Sammlung einen besonders alten oder sehr schön gestalteten Bierdeckel hinzufügen kann. Wirtschaftliche Aspekte spielen da keine Rolle", sagte er. In Zwickau war er übrigens das erste Mal. "Eine tolle Angebotsvielfalt und nette Leute. Ich werde wohl nächstes Jahr wiederkommen."
Die Börse war aber nicht nur etwas für reine Biersouvenirfans. Siegfried Meyer nutzte die Gelegenheit, einige ausgediente Kugelschreiber gegen Bierdeckel einzutauschen, deren Form aus dem üblichen runden Rahmen fiel. "Einer hat beispielsweise die Umrisse der Insel Rügen. Das ist doch mal was anderes", meinte er. Aber auch Regionales war an den Tischen zu finden. Darunter Etiketten der Planitzer Firma Formanowski, die einst Limonaden- und Likörflaschen zierten. Oder solche aus der Brauerei Werdau, die seinerzeit auf Flaschen mit der wohl klingenden Biersorte "Kristall" klebten.


