Notärzte drohen in Not zu geraten
Gesundheit der Westsachsen anfälliger? - Zahl der Notrufe und Patienten in Notaufnahmen steigt
Zwickau. Zwickau. Das spricht für sich: Um 53 Prozent ist im Jahr 2009 die Zahl derer angestiegen, die in der Rettungsleitstelle wegen verschiedener Bereitschaftsdienste angerufen haben. Mehr als 29.000-mal wurden der Dringende Hausbesuchsdienst- und ähnliche Dienstleistungen angefordert. Weniger dramatisch wuchs die Zahl aller anderen Einsätze, die in der Zentrale an der Crimmitschauer Straße koordiniert werden - etwa die für die Feuerwehr oder für den Krankentransport.
Verlangen die Leute nach dem Notarzt, um sich einen Besuch in der Arztpraxis zu sparen? "Da wird was dran sein", vermutet Nils Eichhorn, Chef der Rettungsleitstelle. "Man merkt das immer dann, wenn mit solch einem Anruf Forderungen verbunden sind." Offenbar wissen manche Menschen am anderen Ende der Leitung ganz genau, wie und von wem sie behandelt werden sollten. Dabei entscheidet das der, der an Anruf entgegennimmt. "Unsere 31 Disponenten sind ausgebildete Rettungsassistenten. Sie fragen die Symptome ab und wissen dann, was zu tun ist", erläutert Eichhorn die übliche Vorgehensweise. "Allerdings passiert es uns, dass Leute einen Notarzt erwarten, obwohl er nicht nötig ist."
Oft genug fahren Notärzte umsonst zu einem Patienten. "Viele wissen einfach, was sie am Telefon sagen müssen. Es ist schwer, etwas dagegen zu tun." Eichhorn vermutet, dass es in der Bevölkerung eine gewisse unrealistische Erwartungshaltung gibt, angefeuert durch zahlreiche Arztserien im Fernsehen. "Da klappt eben immer alles." In der Realität schiebt für Zwickau ein Notarzt eine 24-Stunden-Schicht. Ein zweiter Notarzt ist von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang mit dem Hubschrauber im Einsatz, und zwar in einem Radius von 70 Kilometern. "Das sind niedergelassene oder Krankenhausärzte, die solche Dienste in ihrer Freizeit übernehmen", sagt Eichhorn.
Nicht nur in der Rettungsleitstelle häufen sich die vorgeblichen Notfälle. Hartmut Ernst, Leiter der Paracelsus-Klinik in Zwickau, verzeichnet auch in seinem Haus mehr Andrang. Um etwa ein Viertel stieg in den vergangenen fünf Jahren die Zahl der Patienten in der Notaufnahme. Die Gründe dafür sieht Ernst darin, dass die Wartezimmer der niedergelassenen Ärzte überfüllt sind und einige von ihnen gegen Ende des Quartals die Praxen ganz schließen. "Aber das sind nur Vermutungen. Fakt ist, dass diese Steigerung nicht am Zuzug liegt", so der Klinikleiter.


