Neun Kinder der 3. Klasse der Internationalen Grundschule in Crinitzberg hatten am Mittwoch viel Platz in ihrem Klassenzimmer. Normalerweise drücken dort 21 Mädchen und Jungen die Schulbank.
Foto: Andreas Wohland
Ohne Bus lernt Miniklasse allein
Kinder erreichen ihre Grundschule nicht - Kurzfristige Einigung ist nicht in Sicht
Zwickau. Zwickau/Crinitzberg. Leere Unterrichtsbänke am Mittwoch in der Crinitzberger Grundschule: 12 von 21 Drittklässlern sind zuhause geblieben. Nachdem der Schulträger die Schulbusse per 1. September nicht mehr bezahlt, der Landkreis die Kosten auch nicht übernimmt, sitzen die Kinder der freien Schule daheim fest. Sie kommen aus Zwickau, Wildenfels, Reinsdorf, Lichtentanne, Werdau und Fraureuth.
Auch am Donnerstag wird ein Großteil der Kinder im Unterricht fehlen. Die meisten Eltern können die Schulfahrten mit ihren Arbeitszeiten nicht vereinbaren, sagt Ines Ludwar, die Sohn Alexander (9) am Donnerstag mit auf Arbeit nimmt. Das wollte sie schon am Mittwoch. Aber da hatte ein Vater spontan drei Kleinbusse organisiert und ist mit Eltern und Kindern ins Landratsamt gefahren, um vom zuständigen Dezernenten Thomas Haller zu erfahren, warum kein Schulbus fährt. Er begründete das mit der Schülerbeförderungssatzung des Landkreises. Danach gilt ein Schulweg, bei dem die Kinder länger als eine Stunde unterwegs sind, als unzumutbar. Die betroffenen Kinder sind nach Crinitzberg länger unterwegs. Familie Ludwar aus Härtensdorf klagt deshalb gegen die Satzung in einem Normenkontrollverfahren. Matthias Dehoust, Sprecher am Oberverwaltungsgericht Bautzen, rechnet bis Ende September mit einer Entscheidung im Eilantrag, sagte er. Der Termin hängt jetzt nicht mehr vom Landratsamt ab, dem eine Zehn-Tages-Frist zur Stellungnahme eingeräumt wurde, sondern von Ludwars Anwalt. Der hat laut Dehoust Akteneinsicht gefordert, was das Verfahren verzögert. Wann über die Satzung endgültig richterlich entschieden wird, sei völlig offen.
Damit die fehlenden Kinder nichts vom Unterrichtsstoff verpassen, hat Kunsterziehungslehrerin Angela Sickert mit dem verbliebenen Rest am Mittwoch improvisiert. "Statt wie ursprünglich geplant eine begonnene Arbeit fortzusetzen, habe ich mich mit den Schülern dem Thema Hundertwasser gewidmet."


