Jörg Schaarschmidt freut sich, dass auf der Wiese im Koberbachgrund noch etwa 1000 Orchideen gedeihen. Im hohen Gras sind sie vom Wegrand aus kaum zu erkennen. Betreten werden darf das Gebiet nicht.
Foto: Thomas Michel
Orchideen verschwinden aus der Region
Wilde Orchideen gedeihen unscheinbar im Verborgenen, sind aber nicht weniger schön als ihre hochgezüchteten Schwestern auf der Fensterbank
Zwickau. Mit der modernen Landwirtschaft sind die wilden Orchideen zunehmend aus der Region verschwunden. "Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es noch etwa 20 verschiedene Arten. Heute sind es mit dem Breitblättrigen Knabenkraut und dem Braunroten Sitter nur noch zwei, die auf zusammenhängenden Flächen wachsen", sagt Jörg Schaarschmidt von der Naturschutzbehörde im Landratsamt. "Sie sind streng geschützt."
Blumen wachsen im hohen Gras
Einer der bedeutendsten Standorte für das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis) ist das Flächennaturdenkmal "Koberbachgrund am Lerchenberg". Auf der Talwiese sind voriges Jahr mehr als 1000 Stück dieser Orchidee, die auf der Roten Liste der gefährdeten Arten in Deutschland steht, gezählt worden. "Wir sind froh, dass diese Orchideenart hier noch gedeiht", sagt Schaarschmidt. Durch Düngung, Trockenlegung von Wiesen und intensive Beweidung sei ihr Bestand deutschlandweit sehr zurückgegangen. "Durch diese Talwiese floss früher der Koberbach. Er ist zu DDR-Zeiten an den Rand verlegt worden. Trotzdem ist die Wiese noch sehr feucht und bietet deshalb optimale Bedingungen für diese Pflanze", sagt Schaarschmidt. Das Schild Flächennaturdenkmal am Rand weist darauf hin, dass die Wiese nicht betreten werden darf. Im hohen Gras sind die wilden Orchideen kaum auszumachen. Da sie sich über Brutknospen und Samen vermehren und sehr konkurrenzschwach sind, darf die Wiese erst nach der Blüte gemäht werden. Zu einem Teil erledigt das die Genossenschaft Koberbach, zum anderen der Landschaftspflegeverband.
Dem Braunroten Sitter bietet die Halde 11 am Rande von Zwickau Lebensraum.
Foto: Landratsamt
Halde bietet Lebensraum
Zu finden ist diese Orchideenart auch auf der Wiese am Burgwald in Mülsen St. Niclas, dem Feuchtgebiet am Südrand der Wolfersgrüner Talsperre und im Himmelteichgebiet Kirchberg, um nur einige Beispiele zu nennen.
Als Pionierpflanze auf nährstoffarmen Böden hat sich der Braunrote Sitter (Epipactis atrorubens) auf dem Flächennaturdenkmal "Halde 11" am Rand von Zwickau angesiedelt. Weitere Vorkommen gibt es im Grünauer Kalkbruch, dem Wildenfelser Wald und dem Bärengrund bei Hartenstein.
Zur Situation der Orchideen im Altkreis Zwickauer Land gibt es eine umfangreiche Arbeit des ehrenamtlichen Botanikers Wolfgang Thoß aus Wilkau-Haßlau. Er stellt fest, dass viele wilde Orchideenarten, die es noch Ende der 1940er-/Anfang der 1950er-Jahre gab, inzwischen verschwunden sind. Sein Fazit: "Wenn keine konkreten Maßnahmen zur Pflege und Erhaltung ergriffen werden, verschwinden in absehbarer Zeit die letzten Orchideenvorkommen in diesem Gebiet." Um das zu verhindern, bemüht sich die Naturschutzbehörde gemeinsam mit ehrenamtlichen Botanikern, den verbliebenen Orchideen weiterhin gute Lebensbedingungen zu bieten.

