Parteien werben mit prominentem Personal
Bekannte Nicht-Politiker treten zu Stadtratswahl an - SPD holt Seniorin, Kleingärtner und Tafel-Chef ins Boot - CDU hält nichts von "Leuchttürmen"
Zwickau. Die Stadtratswahl in zwei Wochen ist schon heute für Überraschungen gut. Ein Blick in die Kandidatenlisten zeigt einerseits: Kommunalpolitische Schwergewichte sind wieder dabei. Andererseits tauchen viele prominente Nichtmitglieder auf, die zwar in Zwickau einen Namen haben - bislang aber außerhalb der politischen Gesellschaft. Und: Die meisten "Promis", die das Potenzial haben, Stimmen zu ziehen, bleiben parteilos. Ganz bewusst.
Dazu gehört Ingrid Meisel - mit Platz 6 von 33 auf der SPD-Liste in aussichtsreicher Position. Die 62-jährige Krankenschwester in Rente ist als Sprecherin der Seniorenvertretung mit 140 Mitgliedern bekannt. Weil der Verein Zwickauer ab 50 schon als Senioren zählt, vertritt sie 44.200 Einwohner. Genauso wie Lothar Reißmann. Der 78-Jährige ist ebenfalls aktiv im Vorstand der Seniorenvertretung, will zur Wahl aber für die FDP einziehen. Einen Kampf um Rentnerstimmen gibt es jedoch nicht, versichert Meisel. Sie habe schon Bedenkzeit gebraucht, als ihr die SPD die Nominierung angeboten hat.
Silvio Botzenhard ging es nicht anders. Der Vorsitzende des Stadtverbandes der Kleingärtner vertritt den mit 7500 Mitgliedern größten Verein der Stadt und ist sauer, dass dieser kein Mitspracherecht hat. Seine Idee, einen Kleingarten-Beirat zu bilden, fand Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) wohl nicht so verlockend wie Botzenhards Kandidatur auf der SPD-Liste. Erst "geschockt" von dem Vorschlag, will es der 43-jährige Haustechniker jetzt wissen und wirbt mit einem Aushang um seine Wahl: "Völlig unparteiisch!"
Sieben von neun Rats-Parteien hatten Jens Juraschka umworben. Parteisoldaten, die ihn mit "Da können Sie auch viel für sich persönlich tun" locken wollten, ließ er abtreten. Der Chef der Zwickauer Tafel (1500 Kunden in der Stadt) kandidiert als Nichtparteimitglied auf der SPD-Liste. Ihn kennen nicht nur Hartz-IV-Empfänger. Der frisch gewählte Vorsitzende des Kreissportbundes (40.344 Sportler, 330 Vereine) gehört zur Chefetage des Kreisjugendringes und führt ein Kampfsportzentrum (300 Mitglieder). Viele potenzielle Wähler. Juraschkas Hoffnung: "Vielleicht heben wir so auch die Wahlbeteiligung", blickt der 34-Jährige auf die Beteiligung zur OB-Wahl (26,4 Prozent).
Daran denkt auch Yvonne Kramer, Mutter eines fünf Monate alten Sohnes und Chefin der Bar Citylight am Hauptmarkt. Sven Fischer, Geschäftsführer der AG Zwickau, hat sie zur Kandidatur ermuntert. Die Wahlwerbetrommel rührt sie in jedem Fall im Bekanntenkreis mit der Frage: "Geht ihr wählen?" Und der Aufforderung: "Ihr müsst was für Zwickau tun." Das meint ebenso ihr "Kollege" Matthias Zinke. Der Chef der Jamaicabar kandidiert ebenfalls auf der Liste der AG Zwickau.
CDU-Fraktionschef Thomas Beierlein hält nichts von "Leuchttürmen", wie er sagt. Die Christdemokraten haben in ihren Reihen viele aktive Politiker und mit Karl-Ernst Müller den ehemaligen Ordnungsamtsleiter der Stadt. Die Linke hat sich laut Stefan Ott "etwas verjüngt". Die DSU setzt auf Bewährtes, die Kandidatenliste ist fast identisch mit der vor fünf Jahren. Die FDP legt Wert auf einen Berufsmix, "um das Klischee zu widerlegen, wir seien die Partei der Besserverdienenden", so Kreischef André Hubatschek. Mit 42 Kandidaten ist die Liste der Freien Wähler die längste, mit acht Namen die der Grünen die kürzeste.Seite 17: Thema des Tages

