Graffiti schmücken die Garagen an der Julius-Seifert-Straße. Trotzdem muss Vorsitzender Günter Schipke jährlich mit dem Abriss rechnen.
Foto: Ralph Koehler
Pläne für Umgehungsstraße bremsen Garagenbesitzer aus
Pachtvertrag wird immer nur um ein Jahr verlängert - Grund ist die seit 14 Jahren geplante Äußere Nord-West-Tangente
Zwickau. Der Garagenhof in Marienthal ist gepflegt, die Wände sind frisch gestrichen. Ein Trabi und Robert Schumann - typische Zwickauer Aushängeschilder - grüßen als Graffiti die Passanten auf der Julius-Seifert-Straße. Doch der schöne Schein trügt. Seit Jahren müssen die Eigentümer damit rechnen, dass ihre Garagen abgerissen werden.
Grund sind die städtischen Baupläne, wonach eine Äußere Nord-West-Tangente die Stadtteile Weißenborn und Marienthal verbinden soll. Die Streckenplanung sieht vor, dass die Trasse durch den Garagenhof verläuft. Seit 1998 der Verkehrsentwicklungsplan der Stadt Zwickau verabschiedet wurde, ist der Bau der vier Kilometer langen Strecke in der Diskussion. Die Entwürfe sind längst gezeichnet und sorgen seitdem für Unverständnis und Ärger in der Garagengemeinschaft. Demnach müssten von den 106 Garagen mehr als 70 abgerissen werden. Vorsitzender Günter Schipke ist angesichts der Ungewissheit verbittert. Seit 1998 ist er der Chef. Heute sagt er: "Hätte ich damals gewusst, was ich mir aufhalse, hätte ich es nicht gemacht."
Äußere Nord-West-TangenteDie Stadt verpachtet den Eigentümern das Land, auf dem ihre Garagen stehen. Als einziger Garagengemeinschaft in Zwickau wird den Frauen und Männern von der Julius-Seifert-Straße eine Kündigungsfrist von lediglich einem Jahr eingeräumt. Für den 79-jährigen Schipke ist das eine belastende Situation. "Wer möchte hier schon Geld reinstecken, wenn es jederzeit heißen kann, dass alles abgerissen wird?" Noch im vergangenen Jahr waren die Garagen in schlechtem Zustand. Der Putz war abgetragen, das blanke Mauerwerk zu sehen. Doch im Pachtvertrag verlangt die Stadt die bauliche Instandsetzung und eine gute äußerliche Erscheinung. Es kostete Schipke viel Überzeugungsarbeit, um die Eigentümer zur Renovierung zu überreden. Er musste sogar Kündigungen ausschreiben für Besitzer, die sich den Arbeiten verweigerten. Zwar ist jeder für seine Garage eigenverantwortlich, doch im Sinne der Gemeinschaft konnte Schipke das nicht gelten lassen. Mehrere hundert Euro musste jeder Einzelne investieren. Zum 50-jährigen Bestehen der Garagengemeinschaft sieht es wieder ordentlich aus. "Aber zum Feiern ist keinem zumute", sagt der Vorsitzende. Im Abrissfall allerdings waren die Investitionen umsonst. "Wenn die Entscheidung kommt, dann ist es hier in wenigen Monaten vorbei. Eine Ausweichmöglichkeit oder Entschädigung bietet uns auch keiner an", sagt der Rentner.
Eigentlich sollte schon im Februar eine Entscheidung gefallen sein, wie es um die Straßenbaupläne steht. Auf Anfrage der "Freien Presse" heißt es seitens der Stadt, dass die Beschlüsse voraussichtlich Jahresende mit dem Konzept zum Öffentlichen-Personennahverkehr gefasst werden. Erst danach könne über längere Kündigungsfristen diskutiert werden. Solche Aufschübe kennt Schipke zur Genüge "Eines Tages wird hier eine vierspurige Straße verlaufen. Nur wann, weiß keiner", ist er sich sicher.


21:23 Uhr
ez70: völlig am thema vorbei, scnuffelduffel... es geht um die unsicherheit, nicht mehr und nicht weniger
14:47 Uhr
schnuffelduffel: Wie sinnvoll ist eine Garage? Betrachtet man den rein finanziellen Aspekt, so rechnet sich die Garage durch den etwas höheren Verkaufswert eines garagengepflegten Wagens nicht. Unbestritten von Vorteil ist eine Garage, wenn Eis und Schnee das morgendliche Wegfahren ungemütlich machen oder erschweren. Ein garagierter Wagen braucht nicht so lange, um warm zu werden. Also eindeutig ein Vorteil für Mensch und Maschine. Allerdings: wie viele eiskalte Tage mit Schnee und Eis gibt es überhaupt. Findige Köpfe hängen an solchen Tagen in ihr nicht garagiertes Auto einen Heizlüfter, den man eine Viertelstunde vor dem Wegfahren vom warmen Haus aus einsteckt ? und schon erspart man sich das Eiskratzen und steigt in einen angenehm temperierten Wagen. Mit einer Standheizung verfügen Sie darüber hinaus z. B. über eine Einrichtung mit der Sie Ihr Auto nicht nur zu Hause, sondern auch vor der Heimfahrt temperieren und die Scheiben enteisen können. Eine ausgezeichnete Alternative zu einer Garage ist daher ein überdachter Stellplatz, ähnlich einer Pergola. Die Holzsteher lassen sich übrigens mit Kletterpflanzen beranken, wodurch sich ein noch besseres Bild ergeben kann. Eine Garage braucht relativ viel Grundfläche und wird nur relativ kurze Zeit (meist nachts) genutzt. In einer Garage werden oft viele Materialien (verbotener Weise!) gelagert, Werkstatt und Werkzeug finden dort einen (meist schlechten) Platz.
14:40 Uhr
schnuffelduffel: Soll er doch froh sein, dass die Garage noch stehen bleiben kann. Ach jaa. Garagengemeinschaften. So ein schönes Relikt aus der "guten alten" Trabbi-Zeit... ;-)