Rund 200 Fans des Westsachsenstadions konnten die Politiker nicht umstimmen. Sie wollten die Sportstätte für den Profifußball erhalten - und sie forderten auf einem Transparent "Fehler eingestehen". Zumindest das Erste ist endgültig vom Tisch. 
Rund 200 Fans des Westsachsenstadions konnten die Politiker nicht umstimmen. Sie wollten die Sportstätte für den Profifußball erhalten - und sie forderten auf einem Transparent "Fehler eingestehen". Zumindest das Erste ist endgültig vom Tisch.

Foto: Marcus Richter

Profis verlassen die Halde für immer

Das Westsachsenstadion wird zur Breitensportanlage umgebaut

Zwickau. Aller Protest von Fußball- und Westsachsenstadion-Fans vor der Sitzung, alles Rechnen der Fraktion Demokratische Allianz Zwickau (DAZ) hatte nichts genutzt: 20 Uhr stand am Dienstag fest, dass die Halde nicht in ein modernes Profistadion umgebaut wird. Statt dessen soll eine neue Anlage auf der grünen Wiese entstehen.

Dem vorausgegangen war eine teils leidenschaftlich, manchmal mit Häme geführte Debatte über Zahlen und Halbwahrheiten. Die rund 200 Demonstranten, die sich schon lange vor der Sitzung getroffen hatten, verfolgten das Spektakel von der Empore und von den Seiten des Bürgersaals aus. Ihre Sympathien lagen eindeutig bei der DAZ. Aber deren Vorschlag, das Westsachsenstadion schrittweise doch noch auszubauen, fand keine Unterstützung. SPD-Fraktionschef Jens Heinzig etwa stützte sich mit seiner Ablehnung auf die Stellungnahme des Instituts für Sportstättenberatung, das bereits im August geschrieben hatte, eine Tauglichkeit für die dritte Liga sei im Westsachsenstadion "nur bedingt" zu erreichen.

Doch die Diskussion drehte sich auch um Grundsätzliches. Um die Frage nämlich: Wie konnte es so weit kommen. Heinzig: "Hätte das Hochbauamt nicht schon eher wissen müssen, dass die Kosten unverantwortbar hoch sind?" Und als Stadtrat selbst sollte man künftig wohl weniger blauäugig, dafür kritischer sein. "Vor allem, wenn die Beschlussvorschläge so schön ausformuliert sind." In diese Kerbe schlug auch Ute Brückner (Linke): "Es ist für uns schon wichtig, dass wir alle Informationen bekommen. Das ist nicht immer der Fall." So wurde erneut gesagt, man wolle nicht nach Schuldigen suchen. "Ich sehe das anders", sagte Brückner. Am Ende gab es aber keinen Antrag, der zur Suche und Bekanntgabe hätte verpflichten können.

Statt dessen stellten sämtliche Fraktionen außer der DAZ den Antrag, über das endgültige Ende der Stadionsanierung hinaus einen Neubau zu beschließen. Das Stadion soll den Erfordernissen der dritten Liga entsprechen, und vor dem Bau hat die Stadt einen umfangreichen Prüfungskatalog abzuarbeiten. In Erweiterung dieses Ansinnens stellte Thomas Gerisch (DAZ) daraufhin den Antrag, dann gleich ein Zweitliga-Stadion zu bauen. Das fand allerdings wiederum nur bei den Zuschauern Beifall. Mario Pecher etwa fragte die DAZ nach dem Sinn: "Die spielen fünfte Liga", sagte er mit Blick auf den FSV Zwickau. Der Antrag fiel schließlich durch. Jens Heinzig zumindest begründete seine Stimmenthaltung damit, dass der Unterschied von Dritt- zu Zweitligatauglichkeit nicht so gravierend sei, dass man ein Stadion nicht noch entsprechend aufbessern kann.

 
erschienen am 08.11.2011 ( Von Sara Thiel )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
4
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  • 10.11.2011
    10:20 Uhr

    Luzifer: Welcher Investor oder Lobbiest hat denn diesmal wieder den Familienbetrieb Stadtverwaltung beeinflusst?
    Machen wir jetzt Chemnitz alles nach und wollen auch ein neus Stadion oder ist es wirklich nur eine Finte. Am Ende wird es weder eine Sportstätte auf der Halde geben noch ein neues Stadion. Welches Konzept steckt da dahinter? - Haben die Leute mal mehrdimensional gedacht oder war es nur die Frage wie kostet es mich am wenigsten? Die Stadt muss wissen was sie will. Sich mal hinstellen und sagen wir haben eine Traditionsstätte zu erhalten. Lass die anderen neue Stadien bauen.... wir sollten als erstes einen Investor für den FSV suchen. Vielleicht haben wir dann mal einen Grund in Stadion zu investieren. Oder fördert andere Vorhaben... dann kann man aus dem WeSa ein tennis Court bauen mit 10000 Zuschauerplätzen. Man hat den Eindruck es regieren Schildbürger. Ein Unternehmer (Investor) in der freien Wirtschaft würde niemals solches Geld in die Vermarktung (Stadion) eines Produkt (FSV) stecken was eigentlich keiner mehr haben will.

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  • 09.11.2011
    11:02 Uhr

    Roettgers: @Westsachse

    Richtig und wenn wir dann einen Invester gefunden haben bezahlen wir lieber 25 Jahre lang 2 Mio Euro Stadionmiete pro Jahr. 50 Mio Euro sind schließlich auch weniger als 30 Mio :)

    Wo fängt hier die gestern angesprochene Haushaltskonsuldierung an und wo hört sie auf?
    Darüber müssen sich die Herren Stadträte sicher keine Gedanken machen. Bis dahin ist die Rente längst sicher.

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  • 09.11.2011
    10:25 Uhr

    Scriptor: ... nun ist es wieder einmal soweit, man rechnet mit spitzen Stift auf der Basis von "Glauben und Hoffen", man glaubt, dass man mit 17 Mio. beim Neubau hinkommt weil man sich ja 100 %-zig sicher ist, absolut alle Kosten erfasst zu haben (hat ja in der Vergangenheit auch immer geklappt ;-) (siehe City - Tunnel Zwickau oder noch besser Leipzig), man hofft, dass sich natürlich alle heute kalkulierten Preise in den nächsten 3 bis 5 Jahre nicht erhöhen werden, ist ja in der Vergangenheit auch nie passiert. Ach ja, nicht zu vergessen, die Kosten für die "Schönheitsreparaturen" der Halde, welche ja auf jeden Fall trotzdem noch anfallen werden.

    Wäre es da nicht besser, auch aus wirtschaftlicher Sicht, eine saubere und grundhaltige Sanierung durchzuführen und damit ein Station mit Tratitionen und in bester Lage zu erhalten, welches am Ende mit Sicherheit auch nicht mehr kosten wird, als die Endabrechnung des Neubau´s , wenn alle Fakten auf dem Tisch liegen werden.

    In 5 Jahren werden wir nachrechnen können aber da ist dann leider zu spät.

    0 3
     
  • 09.11.2011
    08:42 Uhr

    Westsachse:
    WIR FASSEN ZUSAMMEN!

    Die schlechte Untergrundbeschaffenheit kostet einen erheblichen Mehraufwand bis zu 30 Mio. Wir behaupten das einfach mal. Die Zahl erzielt den Schockeffekt.
    Es könnten auch nur 20 Mio sein! Aber wir haben ein Gutachten wo 30 Mio draufsteht. Einzelpositionen gibt es nicht. Es stehen 30 Mio drauf also sind auch 30 Mio drin.

    Das haben wir aber auch schon 1942 gewusst das der Boden schwierig ist. Bei der Installation der Flutlichtanlage haben wir uns wieder daran erinnert.
    Vor paar Jahren haben wir alles wieder vergessen, aber wir mussten ja etwas versprechen, schließlich war ja Kommunalwahl.

    Wir bauen das Wesa nicht um, da wir in 4-5 Jahren 30 Mio - 10Mio Fördergelder = 20 mio nicht zur Verfügung haben.
    Wollen aber in 2-3 Jahren einen Neubau hinstellen der um die 17 Mio (ohne Kostenerfassung und berücksichtung evtl. Nebenkosten) kosten wird.

    Das leuchtet doch jedem ein oder? 1+1 hat ja schließlich auch schon immer 3 ergeben.

    Wir bauen kein WeSa für 30 Mio da es ja sein könnte, dass sich die Richtlinien des DFB irgendwann ändern.
    Also mal angenommen wir bekommen den Neubau und der entspricht nach 15 Jahren nicht mehr den Richtlinien..dann bauen wir eben wieder ein Neues Stadion?

    Und zum Schluss. Wir tendieren zu einem Neubau und reden im März nochmal darüber...aber vorweg kann man sagen, dass wir nur neu bauen wenn sich ein Investor findet.
    Wenn nicht, naja...dann mal gucken...verschieben wir uns halt nochmal um 20 Jahre...(hoffentlich fährt der FSV bis dahin keine sportlichen Erfolge ein, sonst ist keine Zeit mehr für Versprechen)

    Wir sehen einen Bürgerentscheid vor in der Hoffnung das die Mehrzahl der Zwickauer sich zum gegebenen Zeitpunkt gegen den Bau entscheiden und uns den Arsch retten wird.
    Spätestens dann ist die Sache vom Tisch.

    Nun haben wir mit unserem Neubaumärchen erstmal wieder etwas Zeit gewonnen und ein bisschen Sch**** unters Volk gemischt.

    Es ist alles gesagt. Das Sojus ist doch komfortabel genug

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