Die neue Montagehalle der Sasit Industrietechnik wurde am Donnerstag eingeweiht. Seit 2009 investierte das Unternehmen 3 Millionen Euro.
Foto: Ralph Köhler
Rasantes Wachstum erzwingt Hallenneubau bei Sasit
Sechs Jahre nach der Insolvenz hat der Anlagenbauer seine Fläche mehr als verdoppelt
Zwickau. Da kommt ein Mann daher, um in Zwickau eine Firma abzuwickeln, und plötzlich führt er die Firma nicht nur. Er führt sie zum Erfolg. Mit der Einweihung einer neuen, rund 1,3 Millionen Euro teuren Montagehalle am Donnerstag hat die Sasit Industrietechnik im Gewerbegebiet an der Kopernikusstraße endgültig jeden Zweifel an ihrer Zukunftsfähigkeit abgeschüttelt.
Technologie sichert Überleben
Im März 2006 war der Betriebswirt Jens Schmitt (57) als Insolvenzverwalter zur damals zahlungsunfähigen Sasit gekommen. Es folgte eine schmerzhafte Sanierung mit Stellenabbau, Mehrarbeit und Lohnkürzung. Vor allem aber folgte eine grundlegende Neuausrichtung des Anlagenbauers, der aus der früheren Instandhaltungsabteilung des Sachsenringwerkes hervorgegangen war und der vor allem Zulieferer der großen Zulieferer im Automobilbau war. Das ist ein hinterer Platz in der Wertschöpfungskette, wo nur die kleinen Krümel des großen Gewinn-Kuchens landen. Die Sasit löste sich von den Zulieferern und begann, eigene Technologien und die Maschinen dafür zu entwickeln. Zum Beispiel die, vollautomatisch dünne Kunststoffschichten zwischen zwei aufeinanderliegende Bleche zu legen. Oder die, Schutz- und Dämmmatten nicht mehr auszuschneiden und aufzukleben, sondern millimetergenau und schnell aufzuspritzen. "Damit sind wir führend", sagt Schmitt, der für das laufende Geschäftsjahr eine Umsatzverdopplung auf 14 bis 15 Millionen Euro erwartet. 2009, nach dem holprigen Insolvenzneustart, waren es nur 2,5 Millionen Euro. Ein Ende des Wachstums ist derzeit nicht in Sicht. Die Mitarbeiterzahl ist inzwischen wieder auf über 100 geklettert - so viele wie vor der Pleite. Und Betriebswirt Jens Schmitt, der ist jetzt Maschinenbauer. Wenngleich mit fachlichen Defiziten, wie er zugibt. Dafür mit Beharrlichkeit und festem Willen, sagt Staatssekretär Hartmut Fiedler (44/FDP) aus dem Sächsischen Wirtschaftsministe- rium. Positiv sei das, so Fiedler weiter, manchmal aber auch anstrengend. Dass die Rathausspitze bei der Einweihung der neuen Montage- halle mit Abwesenheit glänzte, liegt wohl nicht allein an der fehlenden Einladung, sondern auch am Lärm-Streit um die Freilichtbühne, den Unternehmer Schmitt mit der ihm eigenen Beharrlichkeit ausfechtet.
Platz spart Zeit
Mit der neuen Halle wächst die Produktionsfläche bei der Sasit Industrietechnik nun um gut 2400 auf 4000 Quadratmeter. Platz ist jetzt zum Beispiel, um eine Anlage zur Hohlraumkonservierung von Autokarosserien komplett zu montieren und zu testen, bevor sie während der kurzen Werksferien bei VW in Russland aufgestellt wird. "Das spart uns vor Ort viel Zeit und minimiert die Fehler", sagt Vertriebsleiter Thomas Dörffel, seit 1997 im Unternehmen. Er hat die schwierige Insolvenzphase miterlebt und hätte damals nicht an eine Erfolgsgeschichte geglaubt.

