Schmetterling In Sachsen ausgestorben: der Rote Würfel-Dickkopffalter (Spialia sertorius).

Foto: pixelio

Region verliert Vogel und Falter

Verschollen und ausgestorben: Tieren fehlt Lebensraum - Serie: Die Letzten ihrer Art

Glauchau/Dresden. Während das Bundesamt für Naturschutz derzeit zum ersten Mal seit elf Jahren bundesweit die Roten Listen gefährdeter Arten aktualisieren lässt, steht in Westsachsen schon eins fest: Seit der jüngsten hiesigen Aktualisierung kommt für vier Arten jede Hilfe zu spät. Bei der vorletzten Erhebung gab es im Freistaat noch Großtrappen, jene größten und schwersten flugfähigen Vögel Europas, wie auch die Falterarten Alexis-Bläuling, Silberfleck-Perlmutterfalter und Roter Würfel-Dickkopffalter. Seit der jüngsten Aktualisierung werden sowohl Großtrappe als auch die drei Schmetterlingsarten in der Kategorie 0 der Roten Liste geführt: ausgestorben oder verschollen.

"Ich weiß nicht, ob im Raum Zwickau je Großtrappen nachgewiesen worden sind", sagt Hans-Ulrich Bangert, Fachmann aus dem sächsischen Umweltministerium, "aber Ausläufer von Lössgebieten, wo Großtrappen anzutreffen waren, gibt es ja da auch", betont der Experte. Die erste Zählung von Großtrappen in Deutschland fand 1939 statt und ergab einen Bestand von 4100 Exemplaren. Seither war die Art auf dem Rückzug. 1949 verschwand sie aus dem Thüringer Becken. In Mecklenburg-Vorpommern gaben strenge schneereiche Winter in den späten 70er-Jahren den Brutgebieten bei Demmin und Anklam den Rest. In Sachsen hielt sich eine Gruppe von drei Tieren nördlich von Leipzig bis in die 90er-Jahre. Dann verendeten dort die letzten Individuen dieser Art. Inzwischen ist die deutsche Großtrappen-Population auf Bereiche in Sachsen-Anhalt und Brandenburg begrenzt, wo ihr Schutzstatus schon ähnliche Wellen schlug wie jene, die in Sachsen der Fledermausart "Kleine Hufeisennase" zu Berühmtheit verhalfen. Beim Bau der ICE-Strecke Berlin - Hannover wurden in den 90er-Jahren für 30 Millionen Mark Schutzwälle für den Erhalt der letzten 16 Großtrappen gebaut.

Schmetterling In Sachsen ausgestorben: der Alexis-Bläuling (Glaucopsyche alexis).

Foto: Angelika Wolter/pixelio

Die drei in Sachsen ausgestorbenen Falterarten sind Opfer jener Beschneidung ihrer Lebensräume, die auch viele andere Arten bedroht. Mario Fickel vom Zwickauer Naturschutzbund Nabu hat als Hauptgrund die großflächige statt kleinteilige Feldbewirtschaftung ausgemacht. Durch sie fehlen Feldraine, die früher vielen am Boden brütenden Vögeln wie dem ebenfalls stark gefährdeten Rebhuhn Raum zu Leben boten. Die Blütenvielfalt solcher Raine lockte zugleich Insekten.

In der für Laien kaum zu überschauenden Klasse der Insekten stehen weit mehr Tierarten vor dem Aussterben als in anderen Kategorien. Zusammen mit Weich- und Spinnentieren machen Insekten Sachsens Rote Liste wirbelloser Tiere aus, und die umfasst an die 13.000 Arten, von denen 451 als "vom Aussterben bedroht" gelten. Das sind drei Viertel der Artenanzahl, die die gesamte Rote Liste der Wirbeltiere umfasst: Dort sind 602Arten registriert, von denen jetzt 27 den Status 1 "vom Aussterben bedroht" haben, 42 weitere fallen in Kategorie 2 "stark gefährdet".

"Freie Presse" stellt in den nächsten Wochen einige nur noch mit Glück und Soforthilfe zu rettende Tiere vor - in einer Serie namens "Die Letzten ihrer Art".

 
erschienen am 02.07.2009 ( Von Jens Eumann )
 
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