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Rentner leben in Angst

Überfall- und Einbruchserie in Westsachsen

Zwickau/Werdau. Sieben Beutezüge in sechs Wochen im Raum Zwickau und Werdau: Die Diebe kamen immer nachts, stiegen in Häuser älterer Bewohner ein, stahlen Schmuck und Bargeld. Die Lebensumstände ihrer Opfer hatten sie zuvor ausspioniert.

Montagmorgen. Iris Paul (41) trägt ihre Taschen vom Leubnitzer Diska-Markt nach Hause. Fürs Einkaufen meidet sie die Dunkelheit, geht lieber am Vormittag. Der Raubüberfall auf die 90-jährige Charlotte B., die im eigenen Haus von drei Einbrechern misshandelt und ausgeraubt wurde, ist noch immer Dorfgespräch. Charlotte B. wohnt nur wenige Meter vom Diska-Markt entfernt. "Natürlich habe ich Angst. Wir haben die Schwiegereltern im Haus. Wenn ich abends von der Spätschicht komme, gucke ich jetzt aufmerksamer nach verdächtigen Autos und wer um die Zeit durchs Dorf schleicht. Ich bin froh, dass wir den Rottweiler haben", sagt Iris Paul.

Auch ihre Freundin Karolin Adler (44) hat die Einbruchserie aufgeschreckt: "Ich mache mir vor allem um das ältere Ehepaar in unserem Haus Sorgen. Diese Verbrecher sind skrupellos, haben keine Hemmschwelle. Ich hoffe, sie werden erwischt und bekommen harte Strafen." Ines Zich (44), Verkäuferin in der Bäckerei, ist am Samstag mit gemischten Gefühlen von einem Ausflug nach Leipzig zurückgekehrt: "Unterwegs habe ich mich gefragt, ob das Haus vielleicht schon ausgeräumt ist." Seit den Überfällen sind Hund oder Alarmanlage wieder ein Thema für sie. Der Leubnitzer Gerhard Kaul (75) vertraut darauf, dass er in der Eisenbahnersiedlung nicht im Erdgeschoss wohnt: "In der DDR habe ich mich sicherer gefühlt. Wir sind noch viel zu sorglos. Man sollte wenigstens eine Kette an der Wohnungstür haben", sagt der Senior und geht in den Supermarkt.

Wenige Kilometer weiter, im Bärenwinkel nahe An den Teichen, zwitschern Vögel. Die Idylle täuscht. Wie ein Lauffeuer hat sich der Überfall auf den Rentner herumgesprochen, der sich hier vier Tage zuvor ereignet hat. Zwei Männer unterhalten sich vor der Haustür. Reinhard Pfitzner (59) wohnt im Leubnitzer Feuerwehrhaus: "Ich kann nur jedem empfehlen, Bewegungsmelder anzuschaffen. Grelles Licht schreckt Einbrecher ab." Sein Gesprächspartner möchte seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen. Er fürchtet, das könnte Einbrecher erst zum abgelegenen Haus an der Westtrasse locken. Angst hat er nicht: "Ich habe immer ein Nageleisen griffbereit, die können sich auf was gefasst machen." Einmal in Rage, findet er klare Worte: "Was passiert denen? Die Urteile sind viel zu lasch."

In Stenn sitzt Helga Rothbauer (70) auf der Gartenbank. Die Angst kommt erst abends, dann legt sie die Kette vor. Sie weiß, dass die Täter alles ausspionieren: "Das war beim Einbruch in der Bäckerei auch so. Die wussten, dass die fort waren."

Im Zwickauer Stadtteil Weißenborn durchleben die Bewohner seit dem Überfall am Kuhbergweg, bei dem ein 75-Jähriger starb, unruhige Nächte. Bei Nachbar Karl-Heinz Oehler sitzt der Schock tief: "Es ist unfassbar. Ich habe vor Aufregung erst zwei Tage später bemerkt, dass die Einbrecher ein großes Loch in den Maschendrahtzaun geschnitten hatten." Er vertraut auf Sicherheitsfenster und Metalltür. Brigitte Thoss wohnt 100 Meter vom Tatort entfernt. Sie schließt jetzt zeitiger die Rollläden und wünscht sich, dass "die Nachbarn mehr aufeinander aufpassen".

 
erschienen am 23.03.2011 ( Von Hans-Peter Kuppe )
 
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