"Ringkaffee" steht künftig nur noch oben dran
In die leer stehenden Gastronomieräume der zwangsversteigerten Immobilie ziehen Büros ein - Markisen sollen Aufheizung entgegenwirken
Zwickau. Zwickau. Die Geschichte des Zwickauer Ringkaffees als Ort für gepflegte Gastronomie dürfte ein für allemal der Vergangenheit angehören. Rund zwei Monate nachdem die Zwickauer Architektin Silke Kunstmann das denkmalgeschützte Gebäude am Dr.-Friedrichs-Ring bei einer gerichtlichen Zwangsversteigerung erworben hat, steht fest: Ins auch von außen markant gestaltete Obergeschoss des 30er-Jahre-Baus ziehen Büroräume ein. "Wir haben uns mit mehreren interessierten Gastronomen unterhalten. Es ist nicht mehr zu machen", so Silke Kunstmann im Gespräch mit der "Freien Presse". Nicht nur, dass mittlerweile die Küchentechnik stark erneuerungsbedürftig wäre - es bleibt das ungeklärte, nur mit sehr viel Geld lösbare Problem der Klimatisierung und das des Fehlens von gastronomisch nutzbaren Flächen unter freiem Himmel.
Den beiden letzten Gastronomen dürften an und in dem Objekt gescheitert sein, weil sie die Einrichtung ausgerechnet in den beiden Sommern 2003 und 2006 bewirtschafteten, die mit so hohen Außentemperaturen aufwarteten, dass in Innenräumen praktisch keine Gastronomie mehr stattfand. Der starken Aufheizung der Räume bei Sonneneinstrahlung soll unterdessen durch das Anbringen von hochwertigen Sonnenschutzmarkisen entgegengewirkt werden. Die, so Silke Kunstmanns Ansicht, würden dem Bau aus Zeiten des 3. Reiches zudem auch etwas mediterrane Leichtigkeit verleihen. Der städtische Denkmalschutz, so die Architektin, habe in dieser Hinsicht bereits Wohlwollen signalisiert.
Wie Kunstmann mitteilt, sind die Gasträume in den vergangenen Tagen leer geräumt worden und werden nun für den Umbau vorbereitet. Auf der Erkerseite soll eine Büroeinheit von 216 Quadratmetern Größe entstehen, auf der in die Schumannstraße reichende Seite eine Einheit von etwas mehr als 100 Quadratmetern.
"Auch als Bürofläche bleibt das Ringkaffee eine sehr attraktive Adresse", so Kunstmann. In ihren Augen ist es wünschenswert, dass dort Mieter mit Publikumsverkehr einziehen. Dann habe nach wie vor auch die Öffentlichkeit etwas von dem markanten und beliebten Gebäude. Und wer weiß, vielleicht wird dem Kunden von wem auch immer dort auch mal eine Tasse Kaffee angeboten.


