Riskanter Plan soll Zwickauer Freilichtbühne retten
Stadt will Wohngebiet an der Parkstraße zur Freizeitfläche erklären
Zwickau. Das Rathaus plant den Befreiungsschlag im Streit um den Betrieb der Freilichtbühne. Indem das bislang als Wohngebiet definierte Areal entlang dem hinteren Teil der Parkstraße zum Sondergebiet für Kultur, Sport und Freizeit erklärt wird, purzeln die Lärmgrenzwerte. Der Betrieb der Freilichtbühne wäre von den bislang strengen Beschränkungen befreit, die Parkstraßen-Anwohner Jens Schmitt gerichtlich erzwungen hat. Der Stadtrat soll einen entsprechenden Bebauungsplan am Donnerstag auf den Weg bringen.
Allerdings steckt die Tücke im Detail. In dem von Oberbürgermeisterin Pia Findeiß (SPD) unterzeichneten Beschlussvorschlag wird erstmals ausdrücklich ausgeführt, dass in dem zur Planung ausgewiesenen Bereich Altlasten, Auffüllungen und Verwerfungen vorhanden sind. Das könnte für die Stadt hohe Sanierungskosten zur Folge haben. Bislang gab es Altlasten nur auf dem Grundstück, auf dem Jens Schmitt wohnt. Und zwar so viele und gefährliche, dass Grundwassermessstellen und nach Ansicht der Ämter und Behörden auch eine Sanierung erforderlich ist. Die Gesamtkosten werden auf bis zu 2 Millionen Euro geschätzt. An der Grundstücksgrenze machte der Altlastenverdacht bislang allerdings halt.
Nachdem die Stadt im Frühjahr ein 4000 Quadratmeter großes, indirekt angrenzendes Grundstück für knapp 150.000 Euro gekauft hat, um die Planungsabsicht für das Gesamtgelände zu untermauern, wurden mehrere Anfragen, ob nicht auch auf diesem Grundstück Altlasten liegen könnten, verneint. Andernfalls hätte der Grundstückskauf wegen absehbarer Folgekosten vom Landratsamt genehmigt werden müssen, was nicht geschehen ist.
Inzwischen gibt es aber anscheinend neue Erkenntnisse. Welche das sind, wollten auf Anfrage der "Freien Presse" aber weder Landratsamt noch Landesdirektion beantworten. Landesdirektions-Sprecherin Anja Werler sagt, dass ihre Behörde für die Einschätzung eines Altlastenverdachts nicht zuständig sei, sondern das Landratsamt. Das hat zumindest in der dem Schmitt-Grundstück benachbarten Kleingartenanlage Messungen veranlasst. "Mit den Ergebnissen rechnen wir noch in den Sommermonaten", sagt Behördensprecherin Ilona Schilk.
Der Stadtrat tagt am Donnerstag ab 14Uhr im Bürgersaal des Rathauses. Auf der Tagesordnung stehen weiterhin die Entscheidung über ein neues Einkaufszentrum an der Reichenbacher Straße sowie ein fraktionsübergreifender Antrag für eine bessere Vorbereitung städtischer Bauvorhaben.

