Die fliegenden Sachsen kamen am Muldeparadies dem Himmel ein Stück näher.
Foto: Ralph Koehler
Sachsen erobern die Herzen im Flug
Das Muldeparadies ist als Veranstaltungsort zum Stadtfest neu hinzugekommen - Für die fliegenden Sachsen war er ideal
Zwickau. Der Kran hatte schon den ganzen Samstag die Aufmerksamkeit der Festbesucher auf sich gezogen. 41 Meter ragt der Arm in die Höhe, und unten dran bammelt ein kompliziertes Gebilde mit Stahlträgern, Schaukeln und Fahrrad.
Jetzt, einige Minuten vor 22 Uhr, muss jemand am Kran einen Menschenmagneten eingeschaltet haben. Scharenweise lassen die Zwickauer ihr Stadtfest hinter sich und suchen im Schummerlicht den Weg ans Muldeufer. Ein farbig beleuchteter Hochhauskasten und das grelle Licht eines einsamen Getränkestandes weisen die Richtung. Immer mehr Leute strömen auf die Wiese, am Ende hat sie zwar keiner gezählt, aber Festorganisatorin Grit Weise schätzt, dass es deutlich mehr als 5000 gewesen sind.
Und dann bringen 22 Turner den mehr als 5000 das Staunen bei. Die weißen Figuren, die sich grell gegen den Nachthimmel abzeichnen, das Laserlicht, das sich grün durch den Kunstnebel schneidet, die Musik, die den Lärm vom nahen Fest übertönt: All das kitzelt die Sinne und führt den Geist der Zuschauer in höhere Sphären. Die Show mit dem Namen Kran-dios hält sich nicht mit Feinheiten auf, die aus der Entfernung sowieso kaum einer zu würdigen wüsste. Die Turner um Kerstin Speck und Erich Sabaiczuk liefern ein groß-artiges Spektakel ab. Und dabei beherrschen sie eine der obersten Regeln der Artistik: Selbst die schwierigsten Dinge müssen leicht aussehen. Und das tun sie. Spielerisch überschlagen sich drei schneeweiße Figuren ein ums andere Mal an ihren Gummiseilen. Mühelos erklimmen junge Frauen lange seidige Tücher, halten sich im Stoff fest und halten sich auch ohne die Hilfe ihrer Hände in luftiger Höhe im Tuch. Federleicht schweben andere an den Trapezen, zeigen ihre Übungen an einer dünnen Stange, um sie herum nur Luft und Licht.
Das Spektakel kommt an. Der Applaus ist lang und herzlich. Nach ihrem Auftritt stehen viele Artisten noch in der Menge, die schon wieder in Richtung Innenstadt zieht und unterhalten sich mit Zuschauern, Bekannten, Verwandten. Dieser Auftritt war nicht nur für die Zwickauer etwas Besonderes, weil er eine noch nie da gewesene Note dem Fest hinzugefügt hat. Er wird wohl auch den Turnern unvergesslich bleiben, denn in der Menge waren in dieser Nacht bei weitem nicht nur Fremde.
Ob sich dieses Spektakel wiederholt, ob die Stadt im kommenden Jahr noch eins draufsetzen kann oder will - das alles steht noch in den Sternen. Doch Organisatorin Grit Weise ist sich sicher, dass das Muldeparadies seine Premiere als Standort bestanden hat. Buden wird es an dieser Stelle nicht geben, verspricht sie. Aber einzelne, ausgesuchte Veranstaltungen passen sehr gut an diesen paradiesischen Fleck.


