Die beiden kleinen Fensteröffnungen im rechten Teil der Kirche sind bei der Außensanierung entdeckt und frei gelegt worden. Sie bleiben in der Fassade sichtbar.
Foto: Marcus Richter
Sanierer erleben Überraschung
Unterm Putz der Niclaser Kirche kommen bei Bauarbeiten drei bisher verborgene Fenster zum Vorschein
Mülsen St Niclas. Mülsen St. Niclas. Das ist wirklich nicht alltäglich: Die St.-Nicolai-Kirche im Mülsener Ortsteil Niclas hat jetzt drei Fenster mehr. Das heißt: Eigentlich hatte sie diese Fenster schon Hunderte von Jahren. Allerdings sind sie erst jetzt bei der Außensanierung des Gotteshauses zum Vorschein gekommen.
Zwei der kleinen Fenster, die eher Schießscharten ähneln, sind in Höhe der Empore (Nordseite) beim Abhacken des alten Putzes entdeckt worden. "Sie sind vermutlich aus der Zeit um 1100. Damals befand sich hier noch keine Kirche, sondern eine Kapelle", berichtet Peter Scheller vom gleichnamigen Bauplanungsbüro aus Niclas, das für die Planung und Baubetreuung verantwortlich zeichnet. "Die Öffnungen sind noch durch eine Wand vom Kircheninneren getrennt, sodass sie künftig nur von außen sichtbar sind." Anders das dritte Fenster, das am Ostgiebel entdeckt worden ist. "Es befindet sich hinter der Orgel und ist nach der Dokumentation künftig nicht mehr von außen, dafür aber von innen sichtbar", erläutert Scheller.
Die Kirche hat über die Jahrhunderte mehrfach ihr Äußeres verändert. Da das Gotteshaus in der Mitte des Dreißigjährigen Krieges, im August 1632 beim Einfall der kaiserlichen Truppen niederbrannte, sind alle darin aufbewahrten Urkunden, die Genaueres zum Erbauungsjahr hätten aussagen können, vernichtet worden. Nur einige Mauern blieben damals stehen. Man geht aber davon aus, dass die Kirche in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts entstand.
Nachdem voriges Jahr die Fundamente trockengelegt und die Eingangstreppe erneuert wurde, erfolgt seit Mai die Außensanierung. 300.000 Euro sind dafür eingeplant. Das Geld fließt sowohl aus dem Programm Integrierte, ländliche Entwicklung als auch über den Denkmalschutz und die Landeskirche. Die Kirchgemeinde selbst trägt einen Eigenanteil.
Fertig gestellt sind bereits die Dachklempnerarbeiten. Auch etliche Fenster sind schon erneuert worden. Weitere werden gegenwärtig denkmalschutzgerecht aufgearbeitet. Alle drei Türen erhalten ebenfalls eine Schönheitskur. Das Schieferdach und die beiden verschieferten Giebel sind bereits ausgebessert worden. Am Turm erfolgen diese Arbeiten noch. Die Tür- und Fenstergewände aus Hilpersdorfer Porphyr wurden ebenfalls bereits saniert. Gegenwärtig wird der Unterputz aufgebracht. Der obere erfolgt als historischer Handkellenzugputz in Absprache mit der Unteren Denkmalschutzbehörde passend zum Pfarrhaus in einem hellen ocker.
"Die Zusammenarbeit mit der Denkmalbehörde klappt gut, auch die mit der Kirchgemeinde", schätzt Peter Scheller ein. Er berichtet, dass die Arbeiten stets so erfolgen, dass Beerdigungen und Gottesdienste ungestört erfolgen können. Bis zur Kirmes am 3. Oktober sollen die Gerüste gefallen sein. Ziel ist es, die Sanierung bis Mitte Oktober zu beenden.


