Käfer

Foto: dapd

Schmuddelwetter lässt selbst Käfer husten

Auch den Tieren bekommt dieser Winter nicht gut

Zwickau/Wildenfels. Ein Käfer mit Schnupfen? So absonderlich diese Vorstellung sein mag, sie ist nicht ganz falsch. Sagt Holger Buchta, Leiter des Forstreviers Wildenfels. Und der muss es wissen - immerhin reitet der Forstingenieur ausgerechnet Borkenkäfer und Co. als sein Steckenpferd. Der Winter, der keiner ist, bekommt den Insekten nicht gut, erklärt er. "Die Tiere sind eingestellt auf lange, andauernde Winter. Kälte und Schnee machen Insekten nichts aus, wenn sie im Boden stecken."

Jetzt aber ist es zu mild. "Ein Teil will nicht, andere können jetzt noch nicht fliegen. Deswegen sind sie jetzt anfällig für Viren, Pilze und Bakterien." Könnte also durchaus sein, dass man im Wald derzeit die Flöhe husten hören kann. "Insekten sind empfindlich gegenüber allem, was auch die Menschen krank macht", sagt Buchta. So hat der milde Winter durchaus sein Gutes. Denn anders als man sich das vorstellen mag, sterben Forstschädlinge nicht in der Kälte. "Der Borkenkäfer mag dieses Schmuddelwetter nicht." Dennoch macht sich Buchta Sorgen. Sollten die Stürme viele Bäume umwerfen, dann wären diese für die Borkenkäfer ein gefundenes Fressen. Was wiederum bedeutet, dass sie sich zahlreicher vermehren.

Für den Forstexperten heißt das, im Frühjahr muss der Wald aufgeräumt werden. Zwar nicht gefegt, aber tote Bäume sollten nicht liegen bleiben. "Wenn wir unsere einheimischen Wälder der Natur überlassen, hieße das, sie würden über kurz oder lang komplett anders aussehen." Denn einem natürlichen Waldumbau würden als erstes die Fichten zum Opfer fallen. Abgesehen von der optischen Veränderung ging auch der Holzwirtschaft eine wichtige Einnahmequelle verloren.

Nicht nur Borkenkäfer und andere Insekten haben Schwierigkeiten mit dem Wetter. Auch Mäuse dürften den Schnee vermissen, vermutet der Förster. "Normalerweise verstecken sie sich unter dem Schnee und können dort gut überwintern und Gras fressen." Nun trippeln sie über aufgeweichte Wiesen und sind für Greifvögel ein leichtes Ziel. Das wiederum bedeutet aber, dass zumindest Raubvögel keinen Hunger leiden. "Vergangenes Jahr habe ich einige tote Greifvögel gefunden."

Kein guter Platz ist der Wald derzeit auch für Spaziergänger und Jogger, warnt Holger Buchta. "Durch die anhaltenden Niederschläge schwimmen die flach wurzelnden Fichten jetzt regelrecht im Boden." Wäre der gefroren, stünden sie fest wie einbetoniert. So aber müsse man fürchten, dass es während eines Sturmes noch mehr Fichten so ergeht wie dem Zwickauer Weihnachtsbaum - und sie umfallen.

 
erschienen am 05.01.2012 ( Von Sara Thiel )
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