Schulbus fährt nicht: Kinder bleiben daheim

Kräftemessen zwischen Landratsamt und Eltern - Kreis sieht sich nicht in der Pflicht - Gerichtsurteil steht noch aus

Zwickau. Zwickau. Alexander Ludwar (9) hat am Mittwoch schulfrei - nicht freiwillig, aber traurig ist der Drittklässler sicher nicht. Seine Eltern schon. Ab Mittwoch fährt kein Schulbus mehr von Alexanders Zuhause in Härtensdorf zur Internationalen Grundschule Crinitzberg. Insgesamt bleiben aus der Klasse 15 der 21 Kinder daheim.

Der Schulträger übernimmt ab Mittwoch die Kosten für die insgesamt drei Busse nicht mehr. Am Dienstagabend haben die Väter und Mütter zum Elternabend beschlossen, ihre Kinder nicht zur Schule zu bringen. Ein Kräftemessen mit dem Landratsamt. "Das ist", so Mutter Ines Ludwar, "in der Pflicht". Einige Eltern wollen am Mittwoch mit ihren Kindern in der Behörde in der Tür stehen - und fragen, ob am Donnerstag wieder ein Bus fährt.

Der Schulträger, die Saxony International School, hatte die Fahrten seit Schuljahresanfang übernommen - in der Hoffnung, dass der Landkreis bald einlenkt. Danach sieht es aber nicht aus. Nach der erst im Juni geänderten Schülerbeförderungssatzung muss der Kreis nur noch Schulwege von maximal 60 Minuten absichern. Längere Touren definiert die Satzung als unzumutbar. Alexander Ludwar wäre nach aktuellem Fahrplan anderthalb bis zwei Stunden unterwegs, weil es für die 18-Kilometer-Strecke keine bessere Verbindung gibt.

Familie Ludwar hat beim Oberverwaltungsgericht (OVG) - stellvertretend für alle Eltern - Normenkontrollklage eingereicht. Somit wird die Satzung auf ihre Rechtmäßigkeit geprüft. Bis zur Entscheidung kann es einige Monate dauern. Jeden Tag erwarten Ludwars Antwort vom OVG auf ihren Eilantrag, der Kreis möge per 1. September für den Schülertransport sorgen. Bis Dienstag erreichte sie keine Reaktion. Laut OVG-Sprecher bleiben dem Kreis zehn Tage für eine Stellungnahme Zeit - bis nächste Woche. Schul-Geschäftsführer Rüdiger School hatte erwartet, dass der Kreis bis zur Gerichtsentscheidung eine Übergangslösung findet. Dieser aber will das OVG-Urteil abwarten.

Die Schule Crinitzberg mit vertiefter Sprachausbildung besuchen Kinder aus Reinsdorf, Lichtentanne, Werdau, Fraureuth, Zwickau, Wildenfels. Die Eltern werden am Mittwoch ihre Kinder entschuldigen - drei Tage im Jahr geht das, so School. Alexander geht mit der Mutti auf Arbeit.

Von Mandy Fischer





 
erschienen am 31.08.2010
 
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