Schule Wenn der Klassenkamerad zum Schulschwänzer wird, bleibt sein Stuhl hochgestellt.

Foto: Seidel (Archiv)

Schulschwänzer-Karriere beginnt mit langem Ausschlafen

Lernmuffel denken mit Grauen ans Ferienende

Glauchau. Aufforderungen zu Bußgeldzahlungen oder zu Arbeitsstunden verfehlen bei Schulschwänzern in Westsachsen oft ihre Wirkung. Zu dieser Einschätzung kommt Strafrichter Manfred Weber vom Amtsgericht in Hohenstein-Ernstthal. "Die meisten Schulschwänzer reagieren erst, wenn wir sie zu einem kurzen Aufenthalt in die Justizvollzugsanstalt in Regis-Breitingen schicken. Dann wollen sie noch schnell das Bußgeld zahlen oder die Arbeitsstunden leisten", sagt Weber.

Für die Schulschwänzer gelten im Landkreis Zwickau feste Regelsätze: Schüler, deren "Konto" auf zehn Fehltage oder 70 Fehlstunden steigt, bekommen ein Bußgeld von 50 Euro aufgebrummt. Mehr als 210Fehlstunden haben ein Bußgeld von 100 Euro zur Folge. Eine Statistik, wie sich die Einnahmen in den vergangenen Jahren entwickelt haben, gibt es im Landratsamt nicht.

Fest steht: Zwickau hat sich als Schwerpunkt herauskristallisiert - aus den Schulen im Stadtgebiet kommen etwa 40 Prozent der Anzeigen. Schulsozialarbeiterin Cindy Flade, die an der Gagarinschule in Zwickau im Einsatz ist, stellt fest: Die Mädchen und Jungen entwickeln sich in Etappen zum Schulschwänzer. Sie bleiben erst etwas länger im Bett liegen und lassen die Randstunden ausfallen. Später gehen sie Konflikten mit Lehrern oder Mitschülern aus dem Weg, indem sie zu Hause bleiben. Streetworkerin Susann Wenzel, die in Zwickau im Einsatz ist, nimmt das Wort "Schulmüdigkeit" in den Mund. "Dazu führen Perspektivlosigkeit und Antriebslosigkeit. Wir versuchen, die jungen Leute wieder zu motivieren."



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Die Wehrdigt-Mittelschule in Glauchau musste im vergangenen Schuljahr keine Schulschwänzer an die Kreisverwaltung melden. Das Rezept von Schulleiter Bernd Richter: "Wir versuchen schon früh einzugreifen. Wenn die jungen Leute die ersten Stunden verpassen, gibt es sofort eine Information an die Eltern. Diese Briefe zeigen Wirkung".

Die meisten Schulschwänzer kommen aus Förder-, Mittel- und Berufsschulen. Dagegen gibt es an den Gymnasien - mit einer Anzeige im ersten Halbjahr - kaum Probleme: Die Sozialarbeiter spüren, dass die Schulschwänzer immer jünger werden. In diesem Jahr gab es schon sechs Fälle in den Grundschulen.

 
erschienen am 08.08.2011 ( Von Holger Frenzel )
 
Kommentare
1
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  • 09.08.2011
    08:38 Uhr

    Zwickauer1982: Zitat:"Wir versuchen schon früh einzugreifen. Wenn die jungen Leute die ersten Stunden verpassen, gibt es sofort eine Information an die Eltern. Diese Briefe zeigen Wirkung"

    Als ich zur Schule ging brauchte man für jede
    Fehlstunde eine schriftliche Entschuldigung der Eltern! Braucht man das heute an vielen Schulen nicht mehr???

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