Sommerflaute lässt Senioren frieren
Der Sonnen-Durchhänger kühlt derzeit selbst Wohnungen aus
Zwickau. Nur 16 Grad beträgt bisher die Temperatur im Mittel für Zwickau im Juli. Das hat die private Wetterstation von René Blank an der Maxhütte einschließlich Dienstag gemessen. Voriges Jahr waren es 20.
Nicht gerade ein wonniger Monat. Das meint auch Steffi Burkhardt. In ihrer Erdgeschosswohnung in einem Block an der Ernst-Grube-Straße im Zwickauer Stadtteil Neuplanitz fröstelt es die Rentnerin. Doch so viel sie auch am Rädchen dreht: Die Heizung bleibt kalt.
Mit ihrem Problem wandte sie sich ans Lesertelefon von "Freie Presse". Denn schon beim letzten Kälteeinbruch hatte die Hausverwaltung der Westsächsischen Wohn- und Baugenossenschaft (Wewobau) auf ihren Anruf nicht ihren Wünschen gemäß reagiert. "Die Heizung blieb aus, obwohl es über drei Tage lang kühl war", berichtet sie.
Seit 39 Jahren lebt das Ehepaar Burkhardt in der Wohnung. "Viele, die hier wohnen, sind Rentner wie wir und die meiste Zeit zuhause", erzählt sie. "Da möchte man es doch warm haben. Soll ich mir denn zusätzlich ein Elektroheizgerät anschaffen?" Was die Zwickauerin ärgert, ist, dass Mieter bei einem Konkurrenzanbieter in der Nachbarschaft im Warmen sitzen. "Da ich jeden Monat Nebenkosten zahle, möchte ich auch selbst entscheiden können, wann ich die Heizung aufdrehe", fordert die Rentnerin.
So einfach ist die Sache aber nicht, sagt Rainer Feige. Er ist Vorstandsvorsitzender bei der Wewobau. "Das Problem ist, dass Kälteempfinden sehr subjektiv ist." Doch wenn die Heizung hochfährt, erhöhen sich die Betriebskosten - für alle. Das Rohrsystem der Fernwärme lässt bei den meisten Häusern nicht zu, dass nur eine einzelne Wohnung versorgt wird. "Es ist immer ein Spagat", sagt Feige. "Zwischen den Beschwerden über Kälte und denen, die sich über hohe Abrechnungen beklagen." Eine ähnliche Erfahrung hat das Unternehmen bereits beim Grünschnitt gemacht: "Erst sollte öfter gemäht werden, dann wollte die Mehrkosten niemand tragen", berichtet er.
Deshalb schaltet die Wewobau die Heizung von Ende Juni bis Anfang September aus. Und heizt damit noch länger, als gesetzlich vorgeschrieben, betont der Verantwortliche. Denn die Heizperiode beginnt zum ersten Oktober und endet Ende April. Misst der Sensor der Anlage aber über drei Tage im Schnitt einen Wert unter 17 Grad, springt das System im Sommer an. Zuletzt sei das aber nicht der Fall gewesen.


