Die Museumsmitarbeiter Tino Heimann und Joachim Kimm haben 546 Stunden in die Restaurierung des DKW PS 600 gesteckt.
Foto: Marcus Richter
Sportwagen erhält im Museum zweites Leben
Mechaniker im Horch-Museum restaurieren DKW PS 600
Zwickau. Im Allgemeinen stehen Joachim Kimm und sein Kollege Tino Heimann eher nicht im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Ihre Arbeit machen sie dann gut, wenn sie niemand bemerkt. Die beiden Mechaniker im August-Horch-Museum sind für Wartung und Instandhaltung der Exponate verantwortlich, also neben allem Technischen auch dafür, dass die ausgestellten Autos stets blitzen wie im Autohaus - auch dann, wenn trotz allgemeinem Berührungsverbot mal jemand nicht seine Finger unter Kontrolle hatte. Nebenher erfüllen sie die Pflichten des Hausmeisters in der automobilen Kultstätte.
Vorzeigbar und fahrbereit
Da ist das, was die beiden Herren sowie Heimanns inzwischen in Ruhestand gegangener Vorgänger Gert Rudorf in den vergangenen zehn Jahren nebenher für das Museum geleistet haben, schon fast Kür. Eine, deren Ergebnis am Freitag erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Sie haben einen DKW PS 600 so restauriert, dass er jetzt in der Dauerausstellung vorzeigbar und theoretisch sogar fahrbereit ist. Ein für damalige Verhältnisse kleiner Sportwagen, gebaut in 500 Stück Auflage zwischen 1929 und 1933. Jürgen Pönisch, Betreuer der Sammlung des Museums, hatte das Fahrzeug bereits vor rund 20 Jahren bei einem Zwickauer für 6000 Mark erworben. "Damals war das Auto in sehr schlechtem Zustand", erinnert er sich. Da hätte allerdings auch gute Pflege nichts genutzt - der PS 600 gehört zu jener Spezies Autos, die mit einer selbsttragenden, hölzernen und mit Kunstleder bespannten Karosserie gebaut wurden. Und die war bei dem erworbenen Stück nahezu verrottet. Und sie ist denn auch fast das Einzige, was nicht in Zwickau wiedererstanden ist.
Letten leisten Grundlagenarbeit
"Den Auftrag, die Holzkarosserie nachzubauen, haben wir an ein Museum nach Lettland gegeben", berichtet Museumschef Rudolf Vollnhals. "Die haben eine Top-Arbeit abgeliefert. Das findet man offenbar in der lettischen Hauptstadt Riga auch. Auf der Webseite des Rigas Motormuzejs findet sich in der Restaurations-Referenzliste der Auftrag aus Sachsen wieder. Dass sie dort gebaut wurde, ist allerdings schon wieder zehn Jahre her. Bespannung, Sitze und Faltverdeck stellte eine Firma aus Treuen her, alles Übrige nahmen nach Vorarbeiten ab 2004 und dann ganz konkret ab Dezember 2007 die Haustechniker des Museums in ihre Hände - in insgesamt 546 Arbeitsstunden: "Es waren oft lange Pausen dazwischen", erinnert sich Kimm. "Dann braucht man erst wieder einen neuen Anfang, um in Schwung zu kommen."
Zunächst bleibt das Schmuckstück in Schwarz und Moosgrün - das war die Originallackierung des Fahrzeugs - für etwa ein Vierteljahr in der Dauerausstellung. Später, wenn der Ergänzungsneubau fertig ist, soll es seinen Platz in der dann erweiterten Rennsportabteilung des August-Horch-Museums erhalten.


